ETF finden Profi-Freunde

Exchange-Traded Funds, börsennotierte Fonds, finden zunehmend das Interesse auch der professionellen Anleger.
18.06.2016 14:55
ETF bieten für institutionelle Anleger auch Risiken.
ETF bieten für institutionelle Anleger auch Risiken.
Bild: ©stockWERK/fotolia.com

Greenwich Associates schätzt, dass bis 2020 jährlich 300 Milliarden Dollar von institutionellen Investoren in ETF fliessen werden. Die Profi-Anleger entwickeln der Studie von Greenwich zufolge neue Wege die ETF zu nutzen, indem sie über Anlageklassen hinweg investieren. Grosse Vermögensverwalter verwenden die Fonds auch, um Kernpositionen zu stärken, Derivate zu ersetzen und als Quelle für Liquidität. Selbst Smart Beta ETFs, die das Beste aus aktivem und passivem Investieren vereinen wollen, werden für die grösseren Investoren interessant.

"Die Schnittmenge zwischen zunehmend diversen Bedürfnissen der Institutionellen und der eingebauten Flexibilität der ETF-Struktur wird die Verbreitung der Fonds in neue Bereiche und Anlageklassen vorantreiben", schreibt Andrew McCollum, Managing Director bei Greenwich Associates.

ETF haben seit den ersten Tagen private Anleger angezogen, denn sie ermöglichen es in praktisch jede Anlageklasse zu investieren. Heute sind ETF eine globale Branche mit einem Volumen von 3 Billionen Dollar in mehr als 6780 Produkten, die an 60 Börsen gehandelt werden.

Institutionelle nennen fünf Faktoren

Der Studie zufolge, die auf Interviews mit 408 institutionellen Investoren weltweit - Pensionsfonds, Vermögensverwalter, Versicherungen - beruht, werden ETFs in den nächsten vier Jahren von fünf Faktoren getrieben werden.

Eine breitere Verwendung der ETF über Anlageklassen hinweg und ihr Einsatz, um Liquiditätslücken im Markt für Festverzinsliche zu stopfen, werden demnach die beiden stärksten Treiber sein. Dadurch allein werden bis 2020 jährlich 200 Milliarden Dollar zufliessen.

Der Wechsel von Investoren, die ein Engagement bei Benchmarks oder spezielle, von den ETF abgebildete Strategien benötigen, wird weitere 42 Milliarden Dollar ausmachen, und die Verwendung von ETF als Instrument, um Derivate zu ersetzen, 28 Milliarden Dollar bringen. Bei Smart Beta ETFs wird mit Zuflüssen von 25 Milliarden Dollar gerechnet.

Risiko von Fehlbewertungen

In den USA ist die Verwendung von ETFs der Studie zufolge besonders verbreitet. Institutionelle Anleger verteilen dort durchschnittlich 20 Prozent ihres Anlagevolumens auf ETF, im Vergleich zu neun Prozent bei europäischen und zwei Prozent bei asiatischen Investoren.

Ken Murphy, Portfoliomanager für US-Aktien bei Standard Life Investments in Boston, sieht allerdings durch das Wachstum auch mögliche Risiken.

"Wenn mehr und mehr Geld in diese Produkte fliesst, kommt irgendwann der Punkt, an dem es kippt - wenn sagen wir, im Extrem jeder einen ETF hält - wird es zu Fehlbewertungen kommen", gibt Murphy zu bedenken. "Auch die Korrelationen nehmen zu, alles bewegt sich in die gleiche Richtung, und es verwirrt Investoren, weshalb sie alle die gleichen Ergebnisse bekommen."

(Bloomberg)