EU lässt bei Portugal und Spanien Milde walten

Die EU-Finanzminister sind dem Vorschlag der Kommission gefolgt, Spanien und Portugal trotz überhöhter Haushaltsdefizite vorerst von Strafzahlungen zu verschonen.
09.08.2016 10:37
Einkaufstrasse Gran Via in Madrid im Abendlicht.
Einkaufstrasse Gran Via in Madrid im Abendlicht.
Bild: cash

Das teilte der Europäische Rat am Dienstag mit. Den beiden Problemländern wurden neue Fristen gesetzt, um die Fehlentwicklungen zu korrigieren. Portugal soll nunmehr sein Defizit bis 2016 unter die Drei-Prozent-Marke drücken - eine Frist-Verlängerung von einem Jahr. Spanien wird dafür bis 2018 Zeit gegeben - eine Verlängerung von zwei Jahren. Beide Länder müssen konkrete Schritte dafür bis zum 15. Oktober einleiten.

Am 12. Juli hatten die EU-Finanzminister festgestellt, dass Spanien und Portugal es versäumt hätten, mit wirksamen Massnahmen eine Unterschreitung der europäischen Defizit-Grenzmarke von drei Prozent zu erreichen. Damit wurden Strafzahlungen von bis zu 0,2 Prozent der Jahreswirtschaftleistung grundsätzlich möglich. Die EU-Kommission schlug aber vor, davon keinen Gebrauch zu machen. Um dies zu verhindern, hätten die EU-Finanzminister bis zum 8. August Widerspruch dagegen einlegen müssen. Diese Frist liessen sie aber verstreichen. Zur möglichen Aussetzung von Strukturhilfemittel aus Brüssel machte die Kommission bislang keine Vorschläge.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat der EU-Kommission und dem Europäischen Rat kürzlich zu grosse Milde bei Verstössen gegen die europäischen Stabilitätsregeln vorgeworfen. "Regelverstösse müssen irgendwann Konsequenzen haben", hatte er gefordert. Für Rücksicht bei Spanien und Portugal hatte sich seinerzeit nach Angaben von EU-Vertretern auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble eingesetzt.

(Reuters)