EU sagt Nein - Fusion von Deutscher Börse und LSE platzt

Der geplante Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) ist gescheitert. Die EU-Wettbewerbshüter untersagten den gut 25 Milliarden Euro schweren Deal am Mittwoch.
29.03.2017 11:54
Blick in die Börse in Frankfurt.
Blick in die Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Sie begründen ihr Nein damit, dass die Megabörse aus ihrer Sicht eine marktbeherrschende Stellung bei der Abwicklung von Anleihegeschäften gehabt hätte. "Der Zusammenschluss zwischen Deutsche Börse und London Stock Exchange hätte den Wettbewerb erheblich eingeschränkt, denn er hätte in einem wichtigen Bereich, dem Clearing festverzinslicher Finanzinstrumente, ein De-facto-Monopol geschaffen", sagte EU-Kommissarin Margrethe Vestager in Brüssel. Die Zugeständnisse der Unternehmen hätten nicht ausgereicht, die Bedenken der EU auszuräumen.

Die deutsch-britische Börsenhochzeit scheitert damit bereits zum fünften Mal. Deutschlands grösster Börsenbetreiber reagierte enttäuscht: "Die Untersagung ist ein Rückschlag für Europa, für die Kapitalmarktunion und für die Brücke zwischen Kontinentaleuropa und Grossbritannien", erklärte Aufsichtsratschef Joachim Faber. "Damit ist zugleich die Chance zur Schaffung eines in Europa ansässigen globalen Marktinfrastrukturanbieters vertan – und damit gleichzeitig die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzmärkte im globalen Massstab zu stärken."

Keine europäische Megabörse

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wollte durch die Fusion mit der LSE eine europäische Megabörse schaffen, die den grösseren US-Rivalen CME und ICE Paroli bieten kann. In Frankfurt gab es jedoch von Anfang an Kritik, dass die Holdinggesellschaft der fusionierten Börse in London angesiedelt werden sollte. Nach dem Votum in Grossbritannien für einen Austritt aus der EU nahm der Widerstand zu. Kengeter setzte sich hinter den Kulissen für die Schaffung eines doppelten Holdingsitzes ein, die LSE lehnte das jedoch ab.

Um eine Debatte über das Thema während der Brexit-Verhandlungen zu vermeiden, zogen die Londoner dann Ende Februar den Stecker. Sie lehnten den Verkauf der kleinen italienischen Handelsplattform MTS ab, den die EU-Wettbewerbshütern für die Freigabe der Fusion gefordert hatten. Der Kommission blieb damit nichts anderes übrig, als die Fusion zu untersagen - ausgerechnet am den Tag, an dem Grossbritannien seinen Austritt aus der EU beantragt. Die Entscheidung über die Börsenfusion sei jedoch unabhängig vom Brexit gefallen, sagte Vestager. "Mir kommt es auf den Wettbewerb an, nicht auf die Herkunftsländer von Unternehmen."

(Reuters)