Euro-Zone: Draghi gibt noch keine Entwarnung

EZB-Präsident Mario Draghi macht keine Hoffnung auf ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik im Euro-Raum.
18.11.2016 10:55
Nicht zuversichtlich bei seinem ökonomischen Ausblick: Mario Draghi, Präsident der Europäische Zentralbank.
Nicht zuversichtlich bei seinem ökonomischen Ausblick: Mario Draghi, Präsident der Europäische Zentralbank.
Bild: Bloomberg

"Wir haben allen Grund zu mehr Vertrauen in die Stärke der wirtschaftlichen Erholung als vor einem Jahr. Aber wir können nicht zuversichtlich sein, was den ökonomischen Ausblick angeht", sagte Europas oberster Währungshüter am Freitag bei einem Bankenkongress in Frankfurt.

Draghi bekräftigte, die Europäische Zentralbank (EZB) werde weiterhin alle ihre Instrumente nutzen, um ihr Ziel einer Inflation von knapp unter 2,0 Prozent zu erreichen. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Konsumenten könnten Investitionen aufschieben, weil sie davon ausgehen, dass es absehbar noch günstiger wird. Draghi konstatierte: Die Dynamik der Inflationsentwicklung sei weiterhin schwach, die wirtschaftliche Erholung nach wie vor abhängig von der Geldflut der Zentralbanken.

Schwache Banken ein grosses Problem

Als grosses Problem nannte Draghi zudem die Ertragsschwäche der Banken im Euro-Raum, die zum Teil noch grosse Berge fauler Kredite in ihren Bilanzen haben und darum wenig neue Darlehen ausreichen. Gleichwohl warnte der EZB-Präsident davor, die nach der jüngsten Finanzkrise weltweit verschärften Regeln für die Finanzbranche aufzuweichen. "Es ist Zeit, die Regulierung abzuschliessen und in eine Phase der Stabilität einzutreten", betonte Draghi. Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte nach seiner Wahl bekräftigt, er wolle wichtige Regeln für die Finanzbranche abschaffen, um so die Kreditvergabe anzukurbeln.

Die EZB versucht Wachstum und Inflation mit einer gewaltigen Flut billigen Geldes anzuheizen. Seit März 2015 kauft die Notenbank Staatsanleihen und andere Wertpapiere im grossen Stil. Seit Juni stehen auch Unternehmensanleihen auf dem Einkaufszettel. 80 Milliarden Euro fliessen derzeit monatlich, insgesamt sollen es 1,74 Billionen Euro werden. Das Programm soll nach bisherigen Plänen bis mindestens Ende März 2017 laufen.

Viele Ökonomen rechnen damit, dass die EZB das Kaufprogramm über März 2017 hinaus verlängern wird. Klarheit dürfte die Dezember-Sitzung des EZB-Rates bringen. "Dann werden wir sagen, was wir in den nächsten Monaten tun werden", hatte Draghi angekündigt.

(AWP)