Eurokurs: SNB interveniert nach Brexit am Devisenmarkt

Wegen des Austritts Grossbritanniens aus der EU wertete sich der Franken gegen den Euro stark auf. Doch dann schritt die SNB ein.
24.06.2016 10:00
Von Daniel Hügli
Schweizerische Nationalbank (SNB) in Zürich.
Schweizerische Nationalbank (SNB) in Zürich.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank hat am Freitagmorgen nach dem Brexit am Devisenmarkt interveniert. Wie die SNB mitteilte, ist der Franken im Zuge des Brexit unter Aufwertungsdruck geraten. Mit Interventionen auf dem Devisenmarkt habe die SNB stabilisierend eingegriffen und bleibe am Markt aktiv.

Der Franken war in der Nacht zum Freitag bis auf 1,0623 pro Euro gestiegen. Das ist ein Niveau, das seit August 2015 nicht mehr erreicht wurde. Ab 06:00 Uhr schwächte sich der Franken dann nach und nach wieder ab, zuletzt stand er bei 1,0800 Euro. 

Nach 6 Uhr am Freitagmorgen schwächte sich der Franken wieder ab - wegen der SNB (Quelle: cash.ch)

Gegen den Dollar fällt der Franken bis auf 98,11 Rappen. Bereits in den Wochen vor der Abstimmung hatte die Schweizer Währung deutlich zugelegt. Sie gilt bei Investoren als sichere Anlage in turbulenten Zeiten - und ist daher gefragt.

Experten erwarten zunächst keine aggressiveren Maßnahmen der Schweizer Notenbank. Sie werde zunächst versuchen, den Höhenflug der Währung mit Interventionen am Devisenmarkt zu bremsen. "Es würde mich überraschen, wenn die Nationalbank heute außer Interventionen etwas anderes machen würde", sagte Thomas Stucki von der St. Galler Kantonalbank. Sollte der Druck auf den Franken mehrere Tage oder Wochen anhalten, dann seien Zinssenkungen nicht auszuschließen. "Entscheidend ist nicht, wo der Franken heute Abend steht. Entscheidend ist, wo der Franken in einer Woche steht."

Nach Einschätzung von Felix Adam, Chef des Schweizer Währungsexperten ACT Currency, dürfte die SNB erst bei einem Eurokurs von 1,05 Franken größere Maßnahmen ins Auge fassen. "Dass auf der Zinsseite etwas dramatisches passiert, kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Da müsste mehr Stress im Markt sein", sagte er. Die Marktreaktion zeige jedoch, wie überrascht viele Börsianer von dem sich abzeichnenden Wahlergebnis seien.

Britische Währung im freien Fall

Die Zentralbank will einen Höhenflug des Franken mit allen Mitteln verhindern - denn ein starker Franken ist Gift für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. SNB-Präsident Thomas Jordan hatte Interventionen am Devisenmarkt angekündigt, sollte es rund um die Abstimmung zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen. Notfalls hatte er auch eine weitere Zinssenkung nicht ausgeschlossen. Der Leitzins in der Schweiz ist mit rund minus 0,75 Prozent bereits auf einem Rekordtief.

Die britische Währung fiel unter 1,33 Dollar und war damit rund elf Prozent billiger als am frühen Morgen, als das Pfund zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte. Damit dürfte die britische Währung noch mehr verlieren als am 16. September 1992, als Grossbritannien am 16. September nach massiven Verkäufen grosser Investoren das Europäische Währungssystem (EWS) verlassen musste.

(Mit Material von Reuters und AWP)

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