börsen-talk am WEF

«Europa hat noch mehr Luft nach oben»

Finanzmarktberaterin Sandra Navidi äussert sich zum schlechten US-Börsen-Start ins 2014. Und sie sagt, wieso gar grosse amerikanische Investoren immer mehr zu europäischen Aktien greifen.
24.01.2014 05:00
Von Pascal Meisser, Davos
Sandra Navidi im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Europas Aktienmärkte werden den Januar wohl mit einer positiven Performance beenden. Nach gut drei Wochen liegt der Swiss Market Index über 2 Prozent im Plus, der deutsche Dax mit einem Prozent und der EuroStoxx 50 mit knapp einem halben Prozent. 

Ganz anders die amerikanischen Börsenplätze: Diese sind so schlecht wie seit dem Ausbruch der Finanzkrise nicht mehr in ein neues Jahr gestartet. Der Dow Jones hat bislang über drei Prozent eingebüsst. Damit notiert der Leitindex der Wall Street auf dem tiefsten Stand seit über einen Monat. Ein Anzeichen, dass die Börsenparty in Übersee einem Ende entgegensteuert?

"In Europa ist einfach mehr Luft nach oben drin", sagt Sandra Navidi im cash-Börsen-Talk, der am Rande des WEF in Davos aufgezeichnet wurde. Die Wirtschaft der Eurozone habe sich stabilisiert, weshalb Investoren derzeit mehr Potenzial in Europa sehen würden. Und solange die Musik spiele, werde weiter investiert. 

Die ehemalige Mitarbeiterin von Ökonom Nouriel Roubini und heutige Geschäftsführerin der Beratungsfirma Beyond Global steht regelmässig mit grossen amerikanischen institutionellen Investoren in Kontakt und spürt so den aktuellen Puls. 

Wichtige US-Termine stehen an

Zusätzlich für Unruhe unter den Investoren sorgen zwei wichtige Termine in den USA: Am kommenden Donnerstag trifft sich die US-Notenbank Fed zur einer Zinssitzung, und bis zum 7. Februar muss der US-Kongress die amerikanische Schuldengrenze erhöhen.

"Das Fed wird am soften Rückgang des Anleihekaufprogramms festhalten", sagt Navidi. Sie gehe nicht davon aus, dass der scheidende Fed-Chef Ben Bernanke von diesem Tempo abweicht. "Bernanke muss strategisch vorgehen. Es lastet ein schwerer Druck auf ihm, vor allem aus den Schwellenländern, die auf eine nicht zu schnelle Abkehr drücken", sagt Navidi

Bernanke müsse dem Land langsam die Stützräder vom Fahrrad wegnehmen, damit es wieder alleine fahren kann. Denn trotz der Reduktion der Käufe von Staatsobligationen fliessen derzeit noch immer monatlich 75 Milliarden Dollar in die Finanzmärkte. 

Auch bei der Haushaltskrise der Vereinigten Staaten rechnet Navidi voerst mit einer einvernehmlichen Zwischenlösung. Noch vor zwei Monaten hatte der Zwist zwischen den Republikanern und Demokraten in der Haushaltsfrage zu einem 17-tägigen "Government Shutdown" geführt. 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Navidi zudem zum Zustand der US-Wirtschaft und zur Stimmungslage am diesjährigen WEF.