Europa und China im Blickpunkt - Wo CS-Grosskunden nun investieren

Nach einer Rundreise durch die USA und weite Teile Europas liefern die Aktienstrategen der Credit Suisse interessante Einblicke in die Gespräche mit eigenen Grosskunden.
29.05.2017 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Viele Grosskunden der Credit Suisse bleiben zuversichtlich, genauso wie die Strategen der Grossbank.
Viele Grosskunden der Credit Suisse bleiben zuversichtlich, genauso wie die Strategen der Grossbank.
Bild: pixabay.com

Die Aktienstrategen rund um den Credit-Suisse-Chefstrategen Andrew Garthwaite jetten regelmässig rund um den Globus, um sich mit Grosskunden zu treffen. In den letzten Wochen führte sie ihre Reise durch die USA sowie durch weite Teile Europas. Das Ergebnis dieser Reise ist ein Strategiepapier, welches interessante Einblicke in das Wirken mächtiger Investoren liefert.

Wie Garthwaite schreibt, überrascht der jüngste Höhenflug an den Aktienmärkten selbst die hartgesottensten Kunden. Schliesslich errechnet sich beim Stoxx Europe 600 Index alleine seit Jahresbeginn ein Plus von gut 8 Prozent. Dasselbe gilt für den amerikanischen S&P-500-Index. Seit den US-Präsidentschaftswahlen von Anfang November liessen sich sogar fast 20 Prozent verdienen.

Aktieninvestoren sind sich ihrer Sache nicht zu sicher

Die befragten Investoren führen diesen Kursanstieg denn auch weniger auf die Hoffnung auf eine rasche Umsetzung der von US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf versprochenen Unternehmenssteuerreform zurück. Sie erklären sich die Kursavancen viel eher mit der starken Unternehmensberichterstattung für das erste Quartal sowie mit den dadurch gestiegenen Gewinnerwartungen. Im gleichen Atemzug wird auf die für die Unternehmensgewinne günstige Entwicklung bei den Stundenlöhnen verwiesen.

Vergleich des Stoxx Europe 600 Index (rot) mit dem amerikanischen S&P-500-Index (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Was die immer wieder in den Medien thematisierte tiefe Volatilität anbetrifft, äussern manche Kunden der Schweizer Grossbank ihre Bedenken. Sie sehen darin einen Vorboten für einen möglichen Rückschlag an den Aktienmärkten. Deutlich entspannter sind Garthwaite und seine Arbeitskollegen. Sie sehen in der geringen Volatilität nicht eine gefährliche Sorglosigkeit der Anleger, sondern halten diese viel eher als ein Ergebnis geringer Zahlungsausfälle und geringer Schwankungen bei der Entwicklung der Weltwirtschaft. Für den Chefstrategen steht deshalb fest: Sollte die Volatilität an den Börsen tief bleiben, werden seine Kunden vermehrt aus Anleihen in Aktien umschichten.

China bleibt das Sorgenkind

Gerade europäische Aktien stehen vermehrt wieder in der Anlegergunst, wie Garthwaite verrät. Bankeigenen Berechnungen zufolge sind jedoch erst 40 Prozent des in der Zeit vor Januar 2016 abgezogenen Kapitals wieder auf den alten Kontinent zurückgekehrt. Einen ziemlichen Nachholbedarf macht der Chefstratege insbesondere seitens amerikanischer Grosskunden aus. Das Interesse an Aktien aus Europa scheint in Übersee denn auch weiterhin ungebrochen.

Sorgen bereitet den Anlegern einzig die Situation in China. Zwar rechnet im Vorfeld des 19. Partei-Kongresses kaum jemand mit einer wirtschaftlichen Wachstumsverlangsamung. Allerdings gaben die Kunden gegenüber Garthwaite an, dass sich die Regierung in Peking bisweilen kaum der zahlreichen in den letzten Jahren entstandenen Ungleichgewichte angenommen habe. Viele Kunden machen daher einen grossen Bogen um chinesische Aktien sowie um westliche Bergbauunternehmen, sind diese doch in einem hohen Grad von der Wirtschaftsentwicklung in China abhängig. Das würde auch das zuletzt unterdurchschnittliche Abschneiden des chinesischen Aktienmarktes erklären.

Beliebt sind bei den Anlegern hingegen Schwergewichte aus dem US-Technologiesektor wie Alphabet sowie europäische Bankaktien. Bei letzteren rechnen jedoch nur die wenigsten Kunden mit einer kräftigen Verbesserung der Ertragslage.