Europäische Aktien - «Die Zeit ist gekommen, den Enthusiasmus zu dämpfen»

Die Anlagestrategen von Morgan Stanley trauen den europäischen Aktienmärkten mit Blick auf die zweite Jahreshälfte nicht mehr viel zu. Negativ wird neuerdings auch eine für die Schweizer Börse wichtige Branche beurteilt.
12.06.2017 08:15
Von Lorenz Burkhalter
Die Anlagestrategen von Morgan Stanley sagen den europäischen Börsen eine schwierigere zweite Jahreshälfte voraus.
Die Anlagestrategen von Morgan Stanley sagen den europäischen Börsen eine schwierigere zweite Jahreshälfte voraus.
Bild: pixabay.com

In weniger als drei Wochen bricht bereits die zweite Hälfte des Börsenjahres 2017 an. Die Frage stellt sich nun, ob die europäischen Aktienmärkte dann an die Entwicklung der vergangenen Monate anknüpfen können. Denn beim breit gefassten Stoxx Europe 600 Index errechnet sich alleine seit Januar ein Plus von gut 8 Prozent.

Klare Worte finden die für Morgan Stanley tätigen Autoren eines Ausblicks auf das zweite Halbjahr. Die Zeit sei gekommen, den Enthusiasmus für europäische Aktien zu dämpfen, so lassen sie den Leser des Strategiepapiers wissen.

Währungsentwicklung sorgt erstmals für Gegenwind

Anders als viele ihrer Berufskollegen bei anderen Banken geben die Autoren neuerdings amerikanischen und japanischen Aktien den Vorzug. Ihres Erachtens sind die Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen an einem Punkt angelangt, an dem diese kaum noch zu erfüllen sind.

Der dividendenbereinigte SMI (grün) hinkt dem Stoxx Europe 600 Index (rot) im Jahresvergleich hinterher (Quelle: www.cash.ch)

Neben der rückläufigen Ölpreisentwicklung lässt die Strategen insbesondere der zuletzt erstarkte Euro hellhörig werden. Aus diesen beiden Faktoren dürfte aus Rücken- in der zweiten Jahreshälfte Gegenwind für die Unternehmensgewinnentwicklung werden.

Eine Hiobsbotschaft für den Schweizer Aktienmarkt

Das hat auch Folgen für die Branchenpräferenzen von Morgan Stanley. So wird der bei Anlegern sehr beliebte Technologiesektor gleich um zwei Stufen von "Übergewichten" auf "Untergewichten" heruntergestuft. Um dem rückläufigen Ölpreis Rechnung zu tragen, reduzieren die Strategen den Energiesektor von "Übergewichten" auf "Neutral".

Aus Schweizer Sicht geht vor allem von der überraschenden Herunterstufung des Gesundheitssektors von "Übergewichten" auf "Neutral" Signalwirkung aus. Immerhin sind die diesem Titelsegment zurechenbaren Vertreter im Swiss Market Index (SMI) für rund 40 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich.

Dass die Strategen von Morgan Stanley in Europa weiterhin auf Finanzwerte setzen, ist hingegen ein eher schwacher Trost. Denn die Aktien von Credit Suisse, Julius Bär, Swiss Life, Swiss Re, UBS und Zurich Insurance bringen mit 17 Prozent beim SMI nicht mal die Hälfte des Gewichts der Valoren aus dem Gesundheitssektor auf die Waage.

Drei Banken gegen den Rest Europas

Im Gegenzug stufen die Autoren im Strategiepapier die Sektoren Telekommunikation und Immobilien von "Neutral" auf "Übergewichten" und die Versorgeraktien von "Untergewichten" auf "Neutral" herauf.

Neben Morgan Stanley sind nur gerade die britische HSBC und die Deutschen Bank vorsichtig, was die Börsenentwicklung in Europa anbetrifft. Die meisten anderen Banken sehen trotz dem zuletzt starken Abschneiden weiteres Aufwärtspotenzial. Dabei setzen viele von ihnen auf die Finanzwerte sowie auf Aktien, welche von den freundlicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen profitieren.

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