Europäische Gemeinschaftswährung - Der Euro wird den italienischen Politlärm überstehen

Anleger, die auf eine positive Entwicklung des Euro setzen, müssen sich wegen Italien keine schlaflosen Nächte machen. Die Stressanzeichen sind vor allem auf politische Implikationen zurückzuführen.
09.10.2018 19:05
Der Euro wird nicht am italienischen Politkabarett scheitern.
Der Euro wird nicht am italienischen Politkabarett scheitern.
Bild: Pixabay

Trotz der Turbulenzen an den italienischen Märkten müssten die Anleihen des Landes nach Ansicht der Deutschen Bank noch weiter fallen, damit die Ansteckung auf den Devisenmarkt übergreift. Und im Gegensatz zum Einbruch der italienischen Papiere im Mai gab es kaum eine Neubewertung der geldpolitischen Straffung der Europäischen Zentralbank, was darauf hindeutet, dass die Reaktion des Euro wenig mit der Ökonomie des italienischen Haushalts zu tun hat.

"Entscheidend für den Euro ist nicht Italien, sondern die systemischen Auswirkungen, die das Land auf das Redenominierungsrisiko im Euroraum hat, und der geldpolitische Kurs", sagt George Saravelos, Co-Chef Devisen-Research bei der Deutschen Bank in einer Kundennotiz. "Solange die von Italien ausgehende Ansteckungsgefahr eingedämmt ist, sind wir überzeugt, dass es beim Euro wohl kaum einen Ausverkauf geben wird."

Die Bank - die einen Wiederanstieg der europäischen Gemeinschaftswährung erwartet - empfahl den Investoren, weiterhin den Euro gegen den Offshore-Yuan zu kaufen, es sei denn, der Renditespread zwischen Italien und Deutschland vergrössert sich weiter. Sollte der Zwei-Jahres-Spread über 250 Basispunkte anschwellen, sollten die Anleger laut Saravelos den Euro-Part der Handelstransaktion schliessen. Die Renditedifferenz lag am Montag bei 209 Basispunkten.

Spannungen in der italienischen Regierung

Der Euro wurde zuletzt bei etwa 1,1469 Dollar gehandelt und bei rund 7,9390 gegenüber dem Offshore-Yuan. Im Zehn-Jahres-Bereich stieg die Renditedifferenz zwischen Italien und Deutschland um 20 Basispunkte auf 3,04 Prozentpunkte.

J.P. Morgan Chase warnte, dass ein Zehn-Jahres-Spread von 400 Basispunkten, ein Niveau, das seit 2012 nicht überschritten wurde, die "Schmerzgrenze" für das Überleben der jungen Regierung in Italien sein könnte. In den letzten Monaten zeichneten sich Spannungen zwischen der Anti-Establishment Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega über ihre unterschiedlichen politischen Prioritäten ab.

"Unser Basisszenario ist immer noch, dass die Regierung zumindest bis zur nächsten Europawahl bestehen bleibt", schrieb J.P.-Morgan-Stratege Marco Protopapa in einer Notiz an Kunden. "Eine ungünstigere Marktreaktion und/oder ein schwächeres Produktions- und Beschäftigungswachstum könnten jedoch bereits Anfang 2019 eine Regierungskrise auslösen."

Der stellvertretende Ministerpräsident Matteo Salvini hat die EU-Kritik am Haushalt zurückgewiesen. In einem Radiointerview sagte er letzte Woche, dass die Regierung keinen Rückzieher bei ihren Pläne machen werde, als er gefragt wurde, ob ein Spread von 400 Basispunkten die Politik der Koalition ändern würde.

(Bloomberg)