Europäische Aktien wieder dort, wo frühere Rallys verpufften

Die europäischen Aktien, die in einem langfristigen Abwärtstrend gefangen sind, testen wieder ein Niveau, dass sie seit fast einem Jahr kaum zu halten vermochten.
15.08.2016 14:29
Blick in die Börse in Frankfurt.
Blick in die Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Der Euro Stoxx 50 Index erreichte erstmals seit November wieder seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, nachdem die Verluste nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union aufgeholt worden waren. Beim letzten Mal konnte der Auswahlindex für Standardwerte der Region diese Linie nicht verteidigen und verlor in gut zwei Monaten fast ein Viertel seines Wertes.

Das Überwinden der Hürde könne zwar zu kurzfristigen Kursgewinnen führen, doch ein Indexrückgang sei von hier ab wahrscheinlicher, sagte Roelof-Jan van den Akker, Leiter technische Analyse bei ING Bank. Der Aktienindex werde von einem langfristigen Abwärtstrend gebremst, seit im April 2015 ein Rekordhoch erreicht worden war, und könnte seiner Aussage nach in den kommenden Wochen bis zu vier Prozent verlieren.

"Das Risiko ist abwärtsgerichtet"

"Das Risiko ist abwärtsgerichtet", erklärte van den Akker aus Amsterdam. "Kurzfristig betrachtet ist der Schritt über die 200-Tage-Linie ein Kaufsignal, aber ich würde sagen, dass die Bewegung sehr begrenzt sein wird." Diese Rückkehr in Richtung des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts sei eine Verkaufsgelegenheit, wie sie im Buche stehe, fügte er hinzu.

Der Euro Stoxx 50 ist um 20 Prozent gefallen, seit der Index 2015 im Zuge eines schwächeren Euro und des Anleihenkaufprogramms der Europäischen Zentralbank seinen Höchststand erreicht hatte. Sorgen um das Wirtschaftswachstum in der Region, die Profitabilität der Banken und die Wirksamkeit der Konjunkturimpulse haben die Anlegerstimmung seither belastet, was die Rückgänge des Aktienindex schärfer ausfallen lässt als seine Zuwächse.

Der Index könnte in den kommenden Wochen in Richtung seines gleitenden 50-Tage-Durchschnitts von etwa 2920 Punkten fallen, so van den Akker. Zwar liegt der Euro Stoxx 50 wieder in der Nähe seines Standes vor dem Brexit-Referendum, doch die Erholung verlief langsamer als bei den Benchmarkindizes der USA, Großbritanniens und Asiens, die ihre Verluste innerhalb von etwa zwei Wochen nach dem Referendum wieder abbauten.

Im November hatte der Aktienindex kurz die 200-Tage-Linie überwunden, fiel aber anschließend wieder darunter. Grund waren damals wieder aufflammende Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft. Während des Ausverkaufs bis Februar gehörten insbesondere Banken zu den Verlierern. Sie sind noch immer die Branche mit der schlechtesten Entwicklung in diesem Jahr.

(Bloomberg)