Experten mäkeln an Adecco herum - Aktie steigt dennoch

Adecco wächst im zweiten Quartal nicht so kräftig wie vom Markt erwartet, auch im Schlüsselmarkt Frankreich. Bei Analysten macht sich leise Enttäuschung breit. Dennoch steigt die Aktie kräftig.
10.08.2016 13:10
Von Lorenz Burkhalter
Der Stellenvermittler Adecco wächst nicht mehr kräftig wie in früheren Quartalen.
Der Stellenvermittler Adecco wächst nicht mehr kräftig wie in früheren Quartalen.
Bild: Bloomberg

Nach einem durchwachsenen Zahlenkranz für die ersten drei Monate legt Adecco am Mittwochmorgen mit einem nicht weniger enttäuschenden Ergebnis für das zweite Quartal nach. Um die Anzahl Werktage bereinigt verlangsamte sich das organische Umsatzwachstum stärker als von Analysten befürchtet worden war. Insbesondere im Schlüsselmarkt Frankreich hat sich das Wachstum spürbar abgekühlt. Das bestätigen auch die Aussagen für den Juli.

Dennoch weiss sich die Adecco-Aktie an der Schweizer Börse SIX mehr als gut zu behaupten. Zur Stunde notiert sie bei 56,05 Franken und damit um 2,5 Prozent über dem Schlussstand vom Vortag. Beobachter berichten nach beruhigenden Aussagen zu möglichen Brexit-Folgen von Deckungskäufen aus dem Ausland, welche der Aktie ganz offensichtlich helfen.

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst in einem Kommentar schreibt, liegt das Quartalsergebnis insgesamt am unteren Ende der Erwartungsbandbreite. Bereinigt um die Anzahl Werktage habe das organische Umsatzwachstum nicht wie ausgewiesen bei 4 Prozent sondern nur bei 3 Prozent gelegen, so seine Berechnungen. Gefallen findet er hingegen am überdurchschnittlichen Wachstum bei der Fachkräftevermittlung.

Schlüsselmarkt Frankreich schwächelt

Was die Gewinnentwicklung anbetrifft, so liegt diese auf Stufe EBITA um rund 1 Prozent unter den Schätzungen der Zürcher Kantonalbank. Beim Reingewinn werden diese dank einem etwas geringer als erwartet ausgefallenen Finanzaufwand und einer marginal tieferen Steuerbelastung sogar übertroffen.

Den enttäuschenden Ergebnisbeitrag aus Frankreich - anstatt mit 5 Prozent wuchs der Schlüsselmarkt nur mit 3 Prozent - erklärt sich der Experte mit den negativen Folgen dortiger Streiks. Er zeigt sich zuversichtlich, dass für Adecco ein leichtes Wachstum möglich ist, sofern sich die globalen Wachstumsperspektiven nicht eintrüben. Die Aktie wird mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Die Berufskollegen von der Deutschen Bank und BNP Paribas stossen neben der Wachstumsverlangsamung in Frankreich auch am organischen Umsatzrückgang in Nordamerika, dem zweitwichtigsten Markt für Adecco. Selbst in Deutschland sei der Umsatz rückläufig gewesen, so heisst es weiter.

Ausblick fällt verhalten aus

Bei der Bank Vontobel ist hingegen von einem "Ergebnis im Rahmen der Erwartungen" die Rede. Adecco sei es in einem schwierigen Umfeld möglich gewesen zu wachsen, so der Analyst der Zürcher Bank. Ein Lichtblick ist seines Erachtens vor allem der starke Anstieg um 20 Prozent beim freien Cash Flow, hat dieser für gewöhnlich Signalwirkung für die Dividendenpolitik.

Von den Aussagen des Stellenvermittlers zum derzeitigen Marktumfeld und zur Wachstumsentwicklung im Juli zeigt sich der Experte hingegen leicht enttäuscht. Dennoch stuft er die Aktie wie bis anhin mit "Hold" und einem Kursziel von 66 Franken ein.

Wie der Analyst von Goldman Sachs schreibt, decken sich Geschäftsentwicklung und Ausblick in etwa mit jenen des Rivalen Randstad von vor wenigen Tagen. Er hält deshalb sowohl am "Neutral" lautenden Anlageurteil als auch am 12-Monats-Kursziel von 53 Franken fest.