Experten trauen der UBS weiterhin mehr als der CS

Weder von der UBS noch der Credit Suisse erwarten Analysten gute Ergebnisse im zweiten Quartal. Aber nach wie vor sehen die Experten die UBS in einer besseren Verfassung, wenn auch keineswegs in einer besonders guten.
26.07.2016 07:45
Von Marc Forster

Die Leidensgeschichte der Credit Suisse ist noch nicht zu Ende. Seitdem Tidjane Thiam vor gut einem Jahr das Ruder übernahm und mit einer Kapitalerhöhung, einer stärkeren Ausrichtung auf die Vermögensverwaltung und einem Abbau alter Risiken in den Büchern das schlingernde Schiff zu stabilisieren versucht, ist der Kurs der Aktie um 57 Prozent gesunken.

Der Geschäftsgang zwischen Anfang April und Ende Juni, über den die CS am Freitag berichten wird, dürfte ein weiteres "schwieriges Quartal" darstellen, schreibt Andreas Venditti von der Bank Vontobel. Er geht davon aus, dass die CS auch im zweiten Quartal einen Verlust schreiben wird, nachdem schon im erste Quartal wie im Gesamtjahr 2015 rote Zahlen ausgewiesen worden waren.

Operativ sieht es laut Venditti so aus, dass die schon bekannten, guten Handelsergebnisse der US-Grossbanken J.P. Morgan, Citigroup und Bank of America keinen Vorboten für ein gutes CS-Handelsergebnis darstellen. Die CS ist im Investmentbanking kleiner als die US-Schwergewichte und anders strukturiert.

CS baut weiter Risiken ab

Neben der Investmentbank reisst gemäss der Prognose vor allem auch die Strategic Resolution Unit (SRU) genannte Abteilung, die Altlasten aus dem Handelshaus bereinigen soll, das Resultat nach unten. Experte Venditti kann sich aber auch vorstellen, dass der Transfer von Risiken von der Investmentbank-Sparte Global Markets in diese hauseigene "Bad Bank" mit Nachdruck vorgenommen wurde und damit das Resultat der Investmentbank insgesamt besser aussehen könnte.

Überhaupt werden Analysten und Anleger einmal mehr genau darauf schauen, was die CS-Führung an solchen strategischen Massnahmen und Plänen berichten oder andeuten wird. Je mehr Details zum mehrjährigen Umbauprozess der Bank bekannt werden, desto genauer wird das Bild und damit auch das Zutrauen in die Aktie. Derzeit wird der CS-Aktie vor allem attestiert, dass sie billig sei.

Die Gewinnaussichten sind dagegen durchzogen. Nach zwei vorgelegten Quartalen 2016 dürfte aber besser absehbar sein, wie sich das Gesamtjahr entwickeln könnte. Morgan Stanley wäre "nicht überrascht", wenn die CS für das laufende Jahr die Dividende kürzen müsste, wie es in einem Kommentar heisst. Ein zu hoher Verlust, einhergehend mit einem zu harzigen Aufbau der Kapitalbasis könnte diesen Schritt auslösen.

Brexit-Votum treibt Handel an

Auch die UBS habe ein schwieriges Quartal hinter sich, das den Gewinn schmelzen liess, schreibt die Bank Vontobel. Die grösste Schweizer Bankengruppe stellt ihre Zahlen schon am Donnerstag vor, nachdem ihre Aktie im Jahresverlauf auch schon einen Drittel an Wert eingebüsst hat. 

Die Aktien von UBS (grün) und CS (rot) innerhalb von zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Dabei dürfte es sich im redimensionierten Investmentbanking diesmal als Problem erweisen, dass der Aktienhandel dort zu einem der Kerngeschäfte geworden ist: "Aktien werden von einer Hilfe zu einem Nachteil", schreibt Morgan Stanley. Die Analysten der US-Bank vermuten auch, dass der Wille zum Kostensparen bei der UBS etwas erlahmt ist.

Für beide Grossbanken dürfte auch die Präsenz in Asien enttäuschende Ergebnisse vorweisen. UBS und CS richten sich stark auf die dortigen Reichen und Superreichen aus, wobei das Abflauen dieses Geschäfts für die UBS grössere Folgen hat als für die CS. Das Brexit-Votum der britischen Stimmbürger vom 23. Juni mit anschliessenden Finanzmarkt-Turbulenzen dürfte hingegen den Handel in den letzten Tage des Quartal noch spürbar angetrieben haben. Morgan Stanley hält es zudem für denkbar, dass der Brexit auch zu einem stärkeren Neugeldzufluss zu den Schweizer Grossbanken geführt hat.

Für die UBS dürfte im Zentrum stehen, die Dividende zu schützen. Ihr hilft dabei, dass sie besser kapitalisiert ist als die CS und im Abbau von Investmentbank-Risiken weiter ist als die Konkurrentin. Aufgrund eines optimistischeren - oder besser: weniger problematischen - Ausblicks bevorzugen die Analysten generell weiterhin die UBS-Aktie vor der CS-Aktie.