ExpertenmeinungenWelche Vorsorge passt zu welchem Lebensabschnitt?

Für das Wohlergehen im Alter sollten wir in jeder Lebensphase Massnahmen treffen. Die Tipps von drei Vorsorgeexperten.
01.02.2017 20:00
Aufgezeichnet von Marc Forster
Innehalten und sich Gedanken zur Vorsorge machen - am besten in verschiedenen Lebensabschnitten.
Innehalten und sich Gedanken zur Vorsorge machen - am besten in verschiedenen Lebensabschnitten.
Bild: Pixabay

Dieser Beitrag ist Teil des am 1. Februar 2017 erschienenen Anlegermagazins «VALUE» von cash. Sie können das Magazin als E-Paper lesen, als PDF herunterladen oder gratis als gedruckte Ausgabe bestellen.

 

Veronica Weisser, Ökonomin UBS

«Die jetzigen Rentner sind äusserst privilegiert. Die Erwartungen an die erste und die zweite Säule sind deswegen heute viel zu hoch. Die junge Generation muss wegen der höheren Lebenserwartung für längere Bezugszeiten sparen. Bei Menschen, die heute in Pension gehen, erwartet man durchschnittlich eine Bezugsdauer von 23 Jahren. Bei heute 25-Jährigen geht man dereinst von 27 Jahren aus. Bereits ein Lehrling sollte daher jeden Monat einen kleinen Betrag beiseitelegen, am besten per Dauerauftrag. So profitiert man von Anfang an vom Zinseszinseffekt. Bei Berufstätigen sollten neben den AHV-Beiträgen und Einzahlungen in die Pensionskasse idealerweise 15 Prozent des Bruttolohns für die Vorsorge eingesetzt werden. Säule-3a-Konten sind nach dem Berufseinstieg ein guter Grundstock und bieten einen Steuervorteil. Tief- und Negativzinsen können bei der Säule 3a aber nicht nur die Renditen, sondern bereits bei geringer Inflation auch den realen Wert angreifen oder wegwischen. Über Sparhorizonte von bis zu 50 Jahren bieten daher Wertschriften mehr Sicherheit, vor allem Aktien.»

Thomas Hilfiker, CEO Hilfiker & Partner

«Bei jungen Paaren um 35 Jahre mit mehreren kleinen Kindern gibt es oft ein Risiko: nämlich dann, wenn ein Ehepartner, in der Mehrheit der Fälle die Frau, nicht mehr arbeitet. Das «fiktive Einkommen» einer Hausfrau und Mutter ist nicht Teil einer Risikoversicherung, wie dies bei einer im Sinne der AHV erwerbstätigen Person der Fall ist. Dieses fiktive Einkommen des nicht arbeitenden Ehepartners kann man aber bei einer Versicherungsgesellschaft mitversichern. Im Schadenfall wird dann eine Leistung ausbezahlt. Bezüglich Vorsorgesparen ist ein Alter um 35 Jahre noch früh, um sich schon Gedanken zur Pensionierung zu machen. Aber je früher man mit der Vorsorge anfängt, desto besser. Garantieprodukte von Versicherern sind immer noch sinnvoll, auch wenn sie wegen der Negativzinsen seltener angeboten werden. Gut ist aber ein Split zwischen Versicherung und Bank. Ich empfehle, 4000 Franken pro Jahr in eine Säule 3a einzubezahlen und die Differenz zu der aktuell möglichen Einzahlung von 6768 Franken in ETF-Strategieanlegen.»

Patrick Schobinger, Leiter Vorsorge Schwyzer Kantonalbank

«Für Personen im Alter 40 bis 50+ steht die Überprüfung und Neuausrichtung der Vorsorge für allfällig neue Lebenssituationen im Fokus. Risikoversicherungen gilt es, beispielsweise nach Auszug der Kinder oder der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit eines Partners, kritisch zu hinterfragen und allenfalls anzupassen. Es lohnt sich, die Möglichkeiten der Säule 3a – auch bei Teilerwerbstätigkeit – auszuschöpfen, indem man den Maximalbetrag einbezahlt (6768 Franken für Erwerbstätige mit Pensionskasse). Wertschriftenanlagen bieten Chancen auf Mehrrenditen. Um einen steuergünstig gestaffelten Bezug der Vorsorgegelder zu ermöglichen, ist es ratsam, zusätzliche Vorsorgekonti zu eröffnen. Die Prüfung von Einkäufen in die Pensionskasse empfiehlt sich aus mehreren Gründen: Die Altersleistungen werden ­erhöht, die Steuerrechnung wird entlastet und die einbezahlten Gelder werden in der Regel vorteilhaft verzinst. Oft ist es auch sinnvoll, die Möglichkeiten des Güter- und Erbrechts zur Begünstigung des Partners im Todesfall aktiv zu nutzen.»