EZB-Chef Draghi - «Zu früh für Ende der lockeren Geldpolitik»

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht derzeit noch keinen Anlass für einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.
10.05.2017 15:25
EZB-Präsident Mario Draghi.
EZB-Präsident Mario Draghi.
Bild: Bloomberg

"Es ist noch nicht an der Zeit, wir sind noch nicht an diesem Punkt", sagte Mario Draghi am Mittwoch vor Vertretern des niederländischen Parlaments in Den Haag. Er verwies dabei auf eine nach wie vor nicht ausreichende Entwicklung der Inflation und der Löhne. Es sei noch zu früh, um einen Erfolg zu vermelden.

Zwar ist die Inflationsrate im Euroraum zuletzt auf 1,9 Prozent gestiegen. Das Inflationsziel von knapp zwei Prozent, bei dem die EZB Preisstabilität jenseits der Gefahr einer Deflation für gewährleistet ansieht, ist damit zumindest kurzfristig erreicht. Ökonomen führen den Preisanstieg jedoch unter anderem auf einmalige Sondereffekte zurück.

Entscheidend sei die mittelfristige Entwicklung der Inflation, sagte Draghi. "Es geht nicht nur darum, einmal das Ziel zu berühren, sondern es dauerhaft zu erreichen." Es müsse sichergestellt werden, dass die Inflation auch nach dem Ende der lockeren Geldpolitik mit Preisstabilität vereinbar sei.

Lohnentwicklung im Euroraum verhalten

Zudem sei die Lohnentwicklung im Euroraum trotz einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage insgesamt bislang "sehr verhalten", sagte Draghi. Er sei allerdings zuversichtlich, dass es bald Anzeichen für steigende Löhne geben werde. Die Höhe der Löhne liege in den Händen der Sozialpartner und nicht der Notenbanken.

Draghi verteidigte unterdessen die lockere Geldpolitik der EZB. Sie sei notwendig und effektiv. Nebeneffekte wie geringere Zinseinnahmen der Sparer würden unter anderem durch positive Auswirkungen auf die Konjunktur mehr als ausgeglichen. Seit Beginn der Eurokrise versucht die EZB, mithilfe verschiedener geldpolitischer Instrumente wie Negativzinsen und milliardenschwerer Wertpapierkäufe die Wirtschaft im Euroraum zu stützen.

(AWP)