EZB-Direktor - Euro-Stärke hemmt Wachstum derzeit nicht so stark wie früher

Die derzeitige Stärke des Euro wirkt sich nach Ansicht von EZB-Direktor Benoit Coeure weniger wachstumshemmend aus als in der Vergangenheit.
11.09.2017 11:14
EZB-Direktor Benoit Coeuré.
EZB-Direktor Benoit Coeuré.
Bild: iNg

Als Grund nannte er am Montag auf einer Konferenz in Frankfurt die Kraft der Binnenwirtschaft. "Daher dürfte die Euro-Stärke weniger Einfluss auf das Wachstum haben als beispielsweise in der Zeit nach der großen Finanzkrise", fügte der Franzose hinzu. EZB-Chef Mario Draghi hatte jüngst gesagt, die Schwankungen beim Wechselkurs seien "eine Quelle der Unsicherheit". Die Notenbank müsse die Bewegungen im Blick behalten und den Einfluss auf die Preisstabilität beobachten.

Der Kurs der Gemeinschaftswährung ist seit Jahresbeginn um gut 15 Prozent zum Dollar gestiegen. Für die EZB kommt dies zur Unzeit. Denn dadurch verteuern sich europäische Exportgüter auf dem Weltmarkt und werden damit unattraktiver. Das schwächt tendenziell das Wachstum. Zudem verbilligen sich Importe, was die Inflation tendenziell bremst. Für die EZB würde es dann noch schwerer, ihr Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent zu erreichen.

Coeure machte jedoch deutlich, dass die Europäische Zentralbank (EZB) diese Marke auf mittlere Sicht erreichen wolle. Bei anhaltendem Störfeuer, das die Inflation länger am Boden halte, würden sich die Währungshüter darauf einstellen, dass sie mehr Zeit zum Erreichen dieses Ziels bräuchten. Die Wirkungen der ultralockeren Geldpolitik seien zudem geeignet, einen Teil der durch den Euro-Wechselkurs bedingten Effekte zu kompensieren, die letztlich den Preisdruck dämpften.

Die EZB überprüft derzeit ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe und wird voraussichtlich im Oktober dazu Weichenstellungen vornehmen. Das auf 2,28 Billionen Euro angelegte Wertpapier-Kaufprogramm ist momentan das schärfste Schwert der Währungshüter im Kampf gegen die schwache Inflation. Die Käufe sollen noch bis Ende 2017 laufen. Angesichts des Aufschwungs rechnen viele Experten damit, dass die EZB die Käufe von aktuell monatlich 60 Millionen Euro ab Januar zurückfährt.

(Reuters)