EZB-Direktor: Noch kein schädliches Zinsniveau

EZB-Direktor Benoit Coeure hat auf Gefahren einer zu lang anhaltenden Phase extrem niedriger Zinsen in der Euro-Zone hingewiesen. Eine schädliche Zinsuntergrenze sei aber aktuell noch nicht erreicht.
31.07.2016 08:05
Coeure zufolge bleiben die Zinssätze möglicherweise noch für eine geraume Zeit auf tiefem Niveau.
Coeure zufolge bleiben die Zinssätze möglicherweise noch für eine geraume Zeit auf tiefem Niveau.
Bild: iNg

Eine Zinsuntergrenze, ab der die ultralockere Geldpolitik letztlich mehr schade als nutze, sei aktuell noch nicht erreicht, sagte Coeure am Donnerstag auf einer Veranstaltung in New Haven in den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) nehme diese Gefahren jedoch ernst. "Die EZB berücksichtigt diese Risiken", sagte Coeure. In Deutschland klagen Geschäftsbanken seit langem, dass es ihnen wegen der langanhaltenden Minizinsen zunehmend schwer fällt, im angestammten Kreditgeschäft auskömmliche Gewinne zu erzielen.

Die Leitzinsen im Euro-Raum liegen auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Banken müssen zudem Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der EZB über Nacht Geld parken - der Einlagensatz liegt aktuell bei minus 0,4 Prozent. Zudem spült die Notenbank seit März 2015 über ihr grossangelegtes Wertpapier-Kaufprogramm Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem des Währungsraums. So will sie der Konjunktur auf die Sprünge helfen und die Preisentwicklung in der Euro-Zone antreiben.

Es gebe eine "wirtschaftliche Untergrenze" bei den Zinsen, ab der für die Bankenbranche die schädlichen Folgen überwiegen würden, sagte Coeure. Der Einlagensatz im Währungsraum liege aktuell aber noch "sicher" oberhalb dieser Linie.

In seiner Rede bekräftigte der EZB-Direktor zudem die Forderung der Notenbank, die Regierungen sollten noch stärker als bisher über Struktur- und Haushaltspolitik für mehr Nachfrage und eine höhere Produktivität in der Wirtschaft sorgen. Sie könnten dadurch verhindern, dass die Wirtschaft "in eine Niedrigzinsfalle" gerate. Coeure zufolge bleiben die Zinssätze möglicherweise noch für eine geraume Zeit auf tiefem Niveau.

(Reuters)