EZB erwägt Beschränkungen digitaler Börsengänge

Im Führungszirkel der Europäischen Zentralbank (EZB) wird über Beschränkungen digitaler Börsengänge nachgedacht.
05.10.2017 14:30
Bei einem ICO sammeln Untnehmen Geld in Form von Digitalwährungen für künftige Projekte ein.
Bei einem ICO sammeln Untnehmen Geld in Form von Digitalwährungen für künftige Projekte ein.
Bild: Pixabay

"Wir diskutieren in der EZB, konkrete rechtliche Restriktionen zu setzen", sagte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny in einem Interview mit der österreichischen Wochenzeitung "Trend". Die jüngsten Entwicklungen bei Digitalwährungen wie dem Bitcoin seien gefährlich und zutiefst unseriös.

Sollten rechtliche Hürden für digitale Börsengänge tatsächlich kommen, würde dies einen Rückschlag für Digitalwährungen bedeuten. Mit sogenannten ICO (Initial Coin Offerings) sammeln Unternehmen Geld für künftige Projekte ein. Meist zahlen die Investoren dabei mit Digitalwährungen. Anders als bei klassischen Aktien erwerben sie aber keinen Anteil am Unternehmen und haben in der Regel kein Mitspracherecht. Die Geldgeber erhalten lediglich sogenannte Tokens, die eine Art "Mini-Digitalwährung" des jeweiligen Unternehmens darstellen und deren Wert vom Erfolg des Geschäftsmodells abhängt. Experten berichten von Betrugsfällen in erheblichem Ausmass.

Chinas Notenbank hatte bereits Anfang September bekanntgegeben, digitale Börsengänge als illegal einzustufen und zu stoppen. Untersuchungen hätten zu dem Ergebnis geführt, dass ICO die Finanzstabilität gefährden, hiess es. Ein Vergleich der Euro-Zone mit der Situation in China sei aber nicht angebracht, sagt Nowotny. "In China besteht eine besondere Problematik, weil Bitcoins dort als Instrument zur Kapitalflucht und zum Umgehen von rechtlichen Regelungen verwendet werden." Diese Dimension gebe es im Euro-Raum derzeit nicht.

(AWP)