EZB-Geldflut: Wird die SNB nun reagieren?

Die sperrangelweit offenen Geldschleusen der EZB bringen den Franken wohl erneut unter Aufwertungsdruck. Liegt der einzige Ausweg der SNB darin, die Negativzinsen auszuweiten? cash befragt dazu die Leser.
03.12.2015 14:55
Von Marc Forster
Weitreichende Entscheidungen werden am Sitz der Nationalbank getroffen. Im Bild die Niederlassung von Zürich.
Weitreichende Entscheidungen werden am Sitz der Nationalbank getroffen. Im Bild die Niederlassung von Zürich.
Bild: cash

Bald elf Monate nach dem abrupten Ende der Kursuntergrenze ist das Franken-Thema präsent wie nie. Schon die neuen Welt-Verwerfungen im Angesicht von Krieg, Säbelrasseln und Terror haben die Befürchtung genährt, dass der Euro-Franken-Kurs wieder sinkt; Das Level ist aber schon seit Wochen zwischen 1,07 bis 1,09 Franken für einen Euro relativ stabil. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat wohl mit Frankenverkäufen reagiert. Eine Bestätigung dafür gibt es aber wie immer nicht.

Doch die SNB dürfte nicht so sehr wegen Jet-Abschüssen und Terroranschlägen gehandelt haben, sondern vielmehr mit Blick nach Frankfurt. Dass die Euro-Notenbank EZB ihre Geldpolitik nun ausweitet, wie sie am Donnerstag bekanntgegeben hat, ist seit Monaten erwartet worden. Wenn Mario Draghi die Anleihenmärkte nun mit noch mehr Geld flutet, um die instabilen Wirtschaft der Währungszone irgendwie zu stabilisieren, steigt der Druck auf den Franken.

Mit der Ausweitung des Strafzinses für Banken von 0,2 auf 0,3 Prozent macht die EZB indirekt den Franken attraktiver. Die SNB muss also über eine Abwehr einer stärkeren Flucht in den Franken nachdenke. Da liegt die Vermutung nahe, dass die SNB zum genau gleichen Mittel greift: Wenn am nächsten Donnerstag, 10. Dezember, der nächste geldpolitische Entscheid der Schweizer Währungshüter ansteht, könnten die Negativzinsen ausgeweitet werden.

Massiver Schritt

Seit dem Ende des Mindestkurses am 15. Januar beträgt der SNB-Negativzins 0,75 Prozent. Eine Ausweitung auf minus 1 oder gar minus 1,25 Prozent wäre ein massiver Einschnitt, denn er würde Banken, Versicherer und Vorsorgeeinrichtungen – und damit die Sparer – noch mehr belasten, als es der jetzige Satz schon tut. Die SNB würde Gefühle von Unsicherheit und Instabilität noch verstärken, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt.

Thomas Jordan und das SNB-Direktorium werden sich das Vorgehen gut überlegen. Für eine Ausweitung spricht hingegen, dass die SNB mit Deviseninterventionen und Strafzinsen den Kurs immerhin von der Parität weggebracht hat. Eventuell muss sie den Einsatz dazu nun erhöhen. Zudem wären ausgeweitete Negativzinsen ein Zeichen an Investoren, dass die SNB nicht tatenlos zusieht.

Der Franken hat sich direkt nach dem EZB-Entscheid etwas abgeschwächt; Zudem sinken die Aktienkurse nach dem EZB-Entscheid. Ein erster Hinweis, dass die EZB-Politik geringere Bewegungen auslöst als angenommen?

Falls die SNB keine grösseren Negativzinsen will, kann sie im Moment auf positiven Einfluss von anderer Seite hoffen: Der Dollar ist zum Franken so stark wei seit Monaten nicht mehr, und die Erwartung einer Zinswende in den Vereinigten Staaten noch in diesem Monat gibt der US-Währung weiter auftrieb. Nach dem Euro ist der Dollar die zweite Währung im Schweizer Aussenhandel. Immerhin hat die SNB dort kein Problem.

Vor dem SNB-Geldentscheid vom 10. Dezember stellen wir die Frage: Kommt es zur Ausweitung der Negativzinsen? Nehmen Sie dazu an unserer Umfrage teil und geben Sie Ihre Meinung ab.