EZB könnte mit QE-Votum neuen Ausverkauf auslösen

Wenn EZB-Chef Mario Draghi eine Wiederholung des Marktbebens verhindern will, das er mit seiner Medienkonferenz vor einem Jahr ausgelöst hatte, muss er sich am Donnerstag ins Zeug legen.
07.12.2016 19:35
Muss morgen Donnerstag an der Medienkonferenz genau darauf achten, wie er die Beschlüsse des EZB-Rates kommuniziert: EZB-Präsident Mario Draghi.
Muss morgen Donnerstag an der Medienkonferenz genau darauf achten, wie er die Beschlüsse des EZB-Rates kommuniziert: EZB-Präsident Mario Draghi.
Bild: youtube

Nahezu alle Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage gehen davon aus, dass der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) morgen Donnerstag verkünden wird, dass sein Haus die Anleihenkäufe über den März hinaus verlängert. Die meisten prognostizieren dabei eine Ausdehnung um rund sechs Monate im derzeitigen Tempo von 80 Milliarden Euro pro Monat.

Alles was darunter liegt, könnte Erinnerungen an den 3. Dezember 2015 auslösen. Damals hatte Draghi nach Wochen an zunehmenden Erwartungen eher enttäuschende Konjunkturmassnahmen verkündet, was zu einem Anstieg von Anleiherenditen und Euro führte.

"Die geldpolitische Kommunikation ist deutlich schwieriger, als sie es einst war", meint Mark Dowding, Vermögensverwalter und Partner bei BlueBay Asset Management in London. "Im Dunstkreis dieses komplizierten Menüs an unterschiedlichen Themen gibt es ganz klar das bestehende Risiko, dass die EZB versucht, eine Sache zu sagen und der Markt etwas anderes hört."

Ohne Regeländerung gehts nicht

Die EZB hat bereits 1,4 Billionen Euro für die quantitative Lockerung (QE) ausgegeben. Diese Summe wird bis Ende März auf 1,7 Billionen Euro ansteigen. Eine wichtige Hürde, das Programm sogar noch weiter auszudehnen, ist, dass einige Aktiva für den Aufkauf auf Grund von selbstauferlegten Regeln schlicht und einfach nicht zulässig sind.

Von Bloomberg befragte Ökonomen prognostizieren, dass der EZB-Rat sich wahrscheinlich dazu entschliessen wird, den maximal erlaubten Anteil an einem bestimmten Wertpapier aus dem öffentlichen Sektor – oder das Engagement mit Blick auf dessen Emittenten – zu erhöhen. Eine andere Option wäre die Aufhebung der Bedingung, dass die Renditen oberhalb des Einlagensatzes liegen sollten. Den Währungshütern mehr Spielraum einzuräumen, zu erlauben, dass die Aufkäufe im Verhältnis zu den ausstehenden Papieren und weniger im Verhältnis zur Grösse der Volkswirtschaft eines Landes gesehen werden, dürfte helfen.

Es könnte sich als kompliziert herausstellen, den EZB-Rat davon zu überzeugen, dass einige oder alle dieser Anpassungen bei den QE-Regeln womöglich notwendig sind. Einige Mitglieder hatten sich dafür ausgesprochen, die Entscheidung bis zum nächsten Monat aufzuschieben, erfuhr Bloomberg Ende November aus informierten Kreisen.

Das Aushandeln einer breiten Übereinkunft, dass signifikant mehr Konjunkturmassnahmen gerechtfertigt sind, könnte sogar noch schwieriger sein – besonders dann, wenn die grössten Risiken als politisch gesehen werden.

«Viele Risiken für Kommunikatiosnfehler»

"Die Vorstellung, Notenbanken könnten mit billigem Geld die Ursachen von Finanz- und Staatschuldenkrise, von Globalisierungsängsten oder aufkommendem Populismus bekämpfen, ist gefährlich", hatte der Chef der deutschen Bundesbank Jens Weidmann bei einer Rede erst am Montag dieser Woche gewarnt.

Ein Kompromiss könnte darin bestehen, QE zwar zu verlängern, das Tempo der monatlichen Aufkäufe allerdings zu verringern. Draghi hatte in einem Interview mit der spanischen Zeitung El Pais eine solche Option angedeutet.

Bei diesen Treffen gebe es immer Risiken, dass die Dinge nicht so laufen würden wie erwartet, sagt Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank in Frankfurt. Die Ankündigung eines geringeren Aufkaufvolumens könne den Eindruck erwecken, dass es der Anfang vom Ende sei. Angesichts der starken Marktvolatilität und der Nachwehen des Italien-Referendums bezweifelt Krämer, dass die EZB ein solches Signal senden wolle.

"Wir haben ziemlich gute Konjunkturdaten. Und die EZB sollte sich das zurechtdrehen – sie sollte es so verkaufen, dass das, was sie unternommen hat, eine Wirkung hatte“, sagt Anatoli Annenkov von Société Générale in London. "Es gibt viele Risiken für Kommunikationsfehler.“

(Bloomberg)