EZB plant «ganze Palette» von Massnahmen

Der Euro hat am Mittwoch den vierten Tag in Folge zum Dollar nachgegeben. Dahinter standen Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank bei ihrem nächsten Treffen am 10. März ihre Geldpolitik weiter lockern wird.
02.03.2016 11:43
Welche Pfeile hat EZB-Chef Mario Draghi noch im Köcher?
Welche Pfeile hat EZB-Chef Mario Draghi noch im Köcher?
Bild: Bloomberg

Die Gemeinschaftswährung büsste zuletzt 0,1 Prozent auf 1,0860 Dollar ein. Es war der vierte Verlusttag in Folge. In den vergangenen 14 Handelstagen hat der Euro 4,1 Prozent zum Dollar verloren.

EZB-Chef Mario Draghi hatte am Dienstag erklärt, dass die Notenbank eine “ganze Palette” von Massnahmen für ihr Treffen nächste Woche vorbereite. Er wies zudem darauf hin, dass die Inflation nach wie vor schwächer als erwartet sei. Auch Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré signalisierte am Mittwoch eine lockere Zinspolitik und verwies auf die niedrige Inflation und das schwache Wachstum in der Eurozone.

"Diejenigen, die eine weniger akkomodierende Geldpolitik fordern, müssen sich fragen lassen, was die Folgen wären auf die Kreditvergabevolumen und Rückstellungen für Kreditausfälle in einem Umfeld stagnierenden Wachstums und sinkender Preise", sagte Coeuré in Frankfurt. Die EZB halte sich an ihre Zusage, dass sie in erster Linie die Preisstabilität gewährleiste.

Zum Franken war der Euro nahezu unverändert bei 1,0844 Franken, während die eidgenössische Währung zum Dollar 0,1 Prozent verlor auf 99,83 Rappen. Der Yen büsste zum Euro 0,3 Prozent ein auf 124,21 Yen und war zum Dollar bei 11,37 Yen 0,3 Prozent schwächer.

Risiko Negativzinsen

Die EZB behält das Risiko im Auge, dass negative Zinsen die Ertragskraft der Banken beeinträchtigen könnten, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré am Mittwoch in Frankfurt. Gleichzeitig halte sich die Notenbank jedoch an ihre Zusage, dass sie in erster Linie die Preisstabilität gewährleiste.

"Wir verfolgen diese Entwicklung. Wir beobachten, welche Programme in anderen Jurisdiktionen zum Einsatz kommen, um mögliche negative Auswirkungen zu begrenzen, mit Bezug zur Kreditvergabe der Banken. Aber ich bin auch der Auffassung, dass wir die Aussagen der Banken einordnen müssen, die sagen, die Herausforderungen im Bankensektor seien größtenteils unserer Geldpolitik geschuldet."

Anleger haben für die Sitzung des EZB-Rats am 10. März eine Senkung des Einlagensatzes um zehn Basispunkte auf mindestens minus 0,4 Prozent vollständig eingepreist. Die Rede Coeurés ist einer der letzten öffentlichen Auftritte eines EZB-Vertreters vor dem Treffen. Die von der Bank sich selbst auferlegte Phase des Stillschweigens im Vorfeld beginnt am Donnerstag.

"Viele Banken sind in der Lage gewesen, die rückläufigen Zinserträge mit einer Ausweitung der Kreditvergabe, niedrigeren Zinsaufwendungen, einer geringeren Risikovorsorge und Gewinnen aus Kapitalanlagen mehr als auszugleichen", sagte Coeuré.

Coeuré wiederholte, dass extrem niedrige Zinsen gerechtfertigt seien durch das verhaltene Wachstum und die Inflation. Coeuré wird im Laufe des Tages auch in Brüssel sprechen, jedoch nicht zur Geldpolitik.

(Bloomberg)