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«EZB-Politik ist gut für Schweizer Aktien»

Wie reagiert die Schweizer Börse auf noch mehr billiges Geld der EZB? cash-Guru Alfred Herbert wagt im Börsen-Talk eine Prognose und nennt Aktien, die in den kommenden Monaten zu den Gewinnern gehören dürften.
27.11.2015 01:05
Von Ivo Ruch
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk vom 27. November 2015.
Bild: cash

Blickt man auf den Stand des Swiss Market Index (SMI), könnte man schnell zum Schluss kommen, dass sich im bisherigen Jahresverlauf nicht viel getan hat. Denn der Schweizer Leitindex steht dort, wo er das Jahr begonnen hatte - bei rund 9000 Punkten.

Doch das bisherige Börsenjahr war alles andere als langweilig. Es hatte mehrere turbulente Phasen, ausgelöst durch Aktionen der Notenbanken, Marktverwerfungen in China oder durch geopolitische Unsicherheiten. Für cash-Guru Alfred Herbert lautet das vorläufige Fazit deshalb: "Ein Durchschnittsanleger kann zufrieden sein mit dem Jahr. Er hat keine Substanz verloren. Und zwischendurch konnte man schön traden."

Für die verbleibenden Wochen ist Herbert optimistisch, auch wenn geopolitische Spannungen jüngst zu Gewinnmitnahmen führten. "Die Hoffnungen auf eine Jahresendrallye sind intakt. All die geopolitischen Ereignisse wurden von den Börsen weggeputzt", sagt er im cash-Börsen-Talk.

Mit ein Grund dafür ist die Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Gemeinhin wird erwartet, dass die EZB am 3. Dezember eine weitere Senkung des schon heute negativen Einlagesatzes für Geschäftsbanken und eine Ausweitung der der milliardenschweren Wertpapierkäufe vermelden wird.

Ein nicht zu vernachlässigender Teil dieser Geldschwemme dürfte auch den Weg in den Schweizer Aktienmarkt finden, ist sich cash-Guru Herbert sicher: "Wer die EZB-Negativzinsen vermeiden will, kauft weiterhin Schweizer Aktien." Ebenfalls für Unterstützung zum Jahresende hin sorgen traditionellerweise die Aktionen der Fondsmanager. Beim sogenannten "Window Dressing" nehmen sie Aktien mit guter Performance in ihre Portfolios auf, was zu weiteren Kursavancen führt. In diesem Zusammenhang gebe es bereits Händler, die für dieses Jahr von einem SMI bei 10'000 Punkten sprechen, so Herbert.

Schwierig für die SNB

Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) bedeutet das erneute Eingreifen der EZB keine Vereinfachung der Situation. Denn hinzu könnte bald die Zinswende in den USA kommen, wobei sich Herbert dabei nicht so sicher ist. "Ich erachte die Fed als verrückt. Seit Monaten spricht man davon, etwas zu unternehmen. Aber es passiert nichts." Dass aber etwas passieren müsse, das sei sicher. Zwischen diesen beiden grossen Akteuren sind der SNB mehr oder weniger die Hände gebunden. "Wenn die SNB ihre Negativzinsen ausweitet, gibt es einen Volksaufstand", sagt der cash-Guru.

Auf Ebene der Einzeltitel ist in den letzten Wochen vor allem Syngenta positiv aufgefallen. Der Agrochemie-Riese wird immer wieder im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen genannt und hat in den letzten vier Wochen an der Börse 13 Prozent Gewinn gemacht. "Gerüchten zufolge soll die Liebe zu Dupont erstarken, während Monsanto im Hintergrund schmollt", sagt Alfred Herbert. Der Titel bleibe aber auch in Zukunft gesucht.

Dividenden-Titel locken

Ebenfalls attraktiv bleiben die dividendenstarken Aktien, zumindest solange die Schweizer Obligationenrenditen im negativen Bereich stehen. Jüngst stellte der Lebensversicherer Swiss Life seinen Aktionären eine Dividendenerhöhung in Aussicht - von 20 bis 40 auf 30 bis 50 Prozent des Gewinns. Solche Aktionen würden sogar hartnäckige Obligationäre hinter dem Ofen hervorlocken, sagt Herbert.

Skeptisch ist er hingegen bei Firmen, die Mühe haben, einen ordentlichen Cashflow zu erwirtschaften und Investitionen zu tätigen. Dazu gehören beispielsweise Transocean und Meyer Burger, die grosse Verpflichtungen vor sich herschieben. Gerade die Aktien von Meyer Burger haben in den letzten vier Wochen 26 Prozent verloren. "Es geht lange, bis Meyer Burger die Sonne wieder sieht", sagt Herbert. Transocean hingegen hat auf den schlechten Geschäftsverlauf reagiert und die Dekotierung von der Schweizer Börse angekündigt.

Wer für Transocean in den SMI nachrücken könnte und was er von der neuen Credit-Suisse-Führung hält, sagt cash-Guru Alfred Herbert ebenfalls im Börsen-Talk.