EZB tritt Ängsten vor Bankenkrise entgegen

EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger ist Ängsten vor einer neuerlichen Bankenkrise in Europa entgegengetreten.
30.09.2016 06:01
EZB-Hauptquartier in Frankfurt.
EZB-Hauptquartier in Frankfurt.
Bild: cash

"Die Banken sind heute (...) im Schnitt sehr viel besser kapitalisiert als vor der Krise, und auch bei der Aufsicht hat sich viel getan", sagte Lautenschläger, die auch stellvertretende Vorsitzende des EZB-Bankenaufsichtsarms SSM ist, im Interview der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe). In unruhigen Zeiten würden Marktakteure solche "Verbesserungen im Gesamtbild" oft vergessen. Zudem differenzierten sie teils nicht zwischen den Instituten.

Zu den Sorgen rund um die Deutsche Bank wollte sich Lautenschläger nicht äußern. Sie deutete aber an, dass die EZB-Aufsicht etwa die Diskussion über die in den USA drohende Geldstrafe von 14 Milliarden Dollar für frühere Hypothekengeschäfte eng verfolgt. Die EZB tausche sich da mit der US-Aufsicht aus, sagte sie.

In den vergangenen Tagen haben vor allem Sorgen über die Kapitaldecke der Deutschen Bank Spekulationen über mögliche Staatshilfen für das Institut und Befürchtungen vor einer Bankenkrise in Deutschland oder gar in ganz Europa aufkommen lassen. Bereits im Frühjahr waren Europas Institute an den Märkten gehörig unter Druck geraten. Der Fokus lag damals auf Italiens Banken.

Mit Blick auf den geldpolitischen Kurs sieht Lautenschläger derzeit keinerlei Anlass für die Europäische Zentralbank (EZB), über eine weitere Lockerung nachzudenken. "Ich sehe keinen Grund für einen zusätzlichen Stimulus. Wir bewegen uns auf dem vorgesehenen Pfad", sagte sie mit Blick auf Wachstum und Inflation. Sie lehnte eine generelle Neuausrichtung des Wertpapierkaufprogramms (Quantitative Easing, QE) ebenso ab wie eine weitere Senkung des Einlagenzinses von aktuell minus 0,4 Prozent.

Vehement widersprach sie auch Marktspekulationen, die EZB könne künftig Aktien oder Bankanleihen kaufen. Zu den Erwartungen, die EZB werde in jedem Fall QE zumindest über das Enddatum März 2017 hinaus verlängern, um die Käufe von monatlich 80 Milliarden Euro nicht schlagartig zu stoppen, untermauerte sie, sie sehe keinen Bedarf für einen weiteren Stimulus. Zugleich fügte sie hinzu: "Aber ein Ausstieg muss natürlich vorsichtig gestaltet werden."

(Reuters)