EZB-Vorgaben - Deutsche Bank zieht wegen Brexit Geschäft aus London ab

Die Deutsche Bank will wegen des Brexit einen grossen Teil ihres bisher in Grossbritannien gebuchten Geschäfts nach Deutschland verlagern.
17.09.2018 13:25
Sommerliche Abendsonne in Frankfurt, Blick auf die Bürotürme der Deutschen Bank.
Sommerliche Abendsonne in Frankfurt, Blick auf die Bürotürme der Deutschen Bank.
Bild: cash

Die Bank, die derzeit von London aus vor allem grosse Bereiche des Investmentbanking steuert, komme damit Forderungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach, hiess es am Montag in Finanz- und Aufsichtskreisen. Damit wanderten auch die Vermögenswerte in die Zentrale. Die Entscheidung, das Buchungszentrum für diese Sparte nach Frankfurt zu verlegen, sei schon im vergangenen Jahr gefallen, sagte ein Sprecher der Bank. Der Hintergrund: Die Bankenaufseher der EZB fürchten, dass sie nach einem Austritt Grossbritanniens aus der EU nicht mehr genügend Zugriff auf das Geschäft der von ihnen beaufsichtigten Banken dort hätten.

Nach einem Bericht der "Financial Times" könnte die Deutsche Bank rund drei Viertel der 600 Milliarden Euro, die sie derzeit in London liegen hat, nach Frankfurt transferieren. Das könne drei bis fünf Jahre oder sogar noch länger dauern. Möglicherweise würde das Geschäft der britischen Niederlassung damit kleiner als das der US-Holding, die 145 Milliarden Dollar auf der Bilanz habe, hiess es in dem Bericht. Die Deutsche Bank hat in London aber - anders als in den USA - keine eigene Tochter, sondern nur eine Niederlassung, die keine eigene Bilanz aufstellt.

Das soll nach den Vorstellungen der Deutschen Bank auch so bleiben, wie ein Sprecher betonte. Er dementierte Informationen der "FT", wonach das Geldhaus in London eine eigene Tochter für das Geschäft mit kleineren Firmenkunden aufbauen will, die von der Finanzaufsicht in London beaufsichtigt wird. Diese müsste nach den britischen Regularien vom Investmentbanking abgeschirmt werden. Noch sei aber unklar, unter welchen Rahmenbedingungen die Bank in Grossbritannien und der EU nach dem Brexit agieren könne, sagte der Sprecher. Dem Bericht zufolge könnte sie die Gründung einer eigenen Gesellschaft in London Hunderte Millionen Euro kosten.

(Reuters)