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Faber: «Börsen fallen weitere zehn Prozent»

Für Marc Faber ist die Korrektur an den Märkten noch nicht vorbei, wie er im cash-Börsen-Talk sagt. Er geht davon aus, dass die US-Notenbank ein neues Anleihekaufprogramm lanciert oder gar Negativzinsen einführen könnte.
23.09.2015 01:00
Von Daniel Hügli
Trotz pessimistischer Prognosen guter Laune: «Dr. Doom» Marc Faber im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

QE1 im Jahr 2008, QE2 im Jahr 2010, "Operation Twist" im September 2011 und dann QE3 ein Jahr später: Die US-Notenbank Federal Reserve reihte in den letzten Jahren vier Programme im Rahmen des so genannten "Quantitative Easing" aneinander, um der US-Wirtschaft endlich auf die Sprünge zu helfen. Dies zusätzlich zu den historisch tiefen Zinsen nahe Null, die seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 Bestand haben. An den Börsen fielen die Programme jeweils auf fruchtbaren Boden.

Wenn es nach Marc Faber geht, dann könnte die US-Notenbank im nächsten Jahr gar noch einen drauflegen: "Es ist meiner Einschätzung nach sehr wahrscheinlich, dass ein QE4 kommen wird, vielleicht nicht gerade schon im Dezember", sagt der Schweizer Börsen-Experte im cash-Börsen-Talk. Er bekräftigt damit Aussagen, die er schon im Juni im US-TV-Kanal CNBC geäussert hat.

Faber sieht ein neues Programm der geldpolitischen Lockerung für den Fall, dass sich die Weltwirtschaft weiter verlangsamt und dass der breit gefasste US-Börsenindex S&P 500 um weitere zehn Prozent fällt.  Er sieht sogar die Möglichkeit, dass die Fed "ohne weiteres" Negativzinsen einführen könnte, wie dies bereits die Europäische Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank getan haben. 

Die US-Notenbank interveniert in ihren geldpolitischen Lockerungsprogrammen an den Märkten für amerikanische Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere. Ziel der Anleihekäufe ist es, die langfristigen Zinssätze zu senken und somit die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft zu verbessern, was die Konjunktur beleben soll. 

Fest steht: Der US-Wirtschaft geht es besser. Das Wachstum dürfte laut Internationalem Währungsfonds dieses Jahr bei 2,5 Prozent und 2016 sogar bei 3,0 Prozent liegen. Die Arbeitslosenquote ist mit 5,1 Prozent mittlerweile so niedrig wie seit siebeneinhalb Jahren nicht mehr. 

«Ich bin ja kein Freund der Fed»

Dennoch sieht Faber US-Wirtschaftsdaten, die zuletzt wieder etwas schlechter waren. Deswegen und aufgrund der weltweiten Symptome einer Deflation (hervorgerufen durch die stark gefallenen Rohstoffpreise), der fragilen Lage von Schwellenländern und des schwachen Wachstums in China hat Faber sogar Verständnis dafür, dass die Fed letzte Woche die Zinsen nicht erhöht hat - "obwohl ich ja kein Freund der Fed bin", so Faber im cash-Börsen-Talk

Der S&P 500 hat sich seit dem Börsentiefstand von 2009 bis ins Jahr 2015 punktemässig verdreifacht. Für Faber, der im Jahr 1987 den Börsencrash - den so genannten Black Monday - vorausgesagt hatte und seither die Namen "Crash-Prophet" oder "Dr. Doom" mit sich trägt, ist es schwierig zu beurteilen, ob sich der Aktienmarkt am Ende eines Zyklus befindet. 

Die technische Lage an den Börsen beurteilt Faber aber als "schlecht". Der S&P 500 ist von seinem Hoch in diesem Jahr über 10 Prozent gefallen, das ist laut Faber aber noch nicht das Ende. "Ich nehme an, dass wir um weitere 10 Prozent fallen werden." Die Ankündigung eines neuen Anleihekaufprogramms hätte laut Faber, der im Norden Thailands wohnt und in Hongkong sein Büro hat, aber positive Auswirkungen auf die Aktienmärkte. "Die Börse wird sich dann wohl erholen". Ob dann neue Börsenhochs drinliegen, hänge vom Umfang des QE4 ab.

Interessant dabei ist: Faber prophezeite dem S&P 500 bereits im Juli ein Korrektur-Potenzial von 20 Prozent. Der Rückgang an den Börsen setzte dann Anfang August tatsächlich ein und hat seither etwas mehr als die Hälfte des von Faber prognostizierten Umfangs erreicht.

Für den 69-jährigen Faber, der auch Mitglied des bekannten Anlegerrates "Barron's Round Table" ist, würde sich mit einem weiteren Anleihekaufprogramm und einer neuen Aufschiebung von Zinserhöhung die Preisblasengefahr an den Märkten weiter akzentuieren. Mit einer sehr lockeren Geldpolitik hatte die US-Notenbank schon um die Jahrtausendwende den Boden für die Internetblase und dann 2007/08 für die Immobilienkrise bereitet, wie viele Experten monieren. "Das Drucken von Geld durch Zentralbanken, und das zeigt die Geschichte, konnte die Probleme jeweils nur aufschieben. Und auch das nicht für sehr lange", schlussfolgert Faber.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Marc Faber über das Wachstum in China und in Asien, den Goldpreis, die Attraktivität von Goldminenaktien - und weshalb er nicht in Apple-Aktien investieren würde.

Marc Faber (rechts) und cash-Chefredaktor Daniel Hügli nach dem cash-Video-Interview in Zürich.