Fallen Staatsfonds als Aktienkäufer weg?

Eine US-Grossbank sagt, weshalb der Ölpreiszerfall für die westlichen Börsen zum Bumerang werden könnte. Betroffen ist auch der Schweizer Aktienmarkt.
09.02.2015 08:35
Von Lorenz Burkhalter
Kein anderes SMI-Unternehmen hat so bedeutende Aktionäre aus dem Mittleren Osten wie die Credit Suisse.
Kein anderes SMI-Unternehmen hat so bedeutende Aktionäre aus dem Mittleren Osten wie die Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Für Wirtschaftsexperten steht schon heute fest: In der westlichen Welt gehen vom tieferen Ölpreis positive Impulse für Wirtschaft und Börse aus.

Aufgrund geringerer Ausgaben für Benzin und Heizöl bleibt den Privathaushalten mehr Geld für andere Dinge übrig. Das wiederum sollte den privaten Konsum und damit die Wirtschaft ankurbeln, so die gängige Lehrmeinung.

Bei der Bank of America Merrill Lynch wird dieser Marktmechanismus zwar nicht in Frage gestellt. Allerdings befürchtet die amerikanische Grossbank, dass den westlichen Börsen der Kapitalstrom aus dem Mittleren Osten und anderen von der Ölförderung abhängigen Regionen in Zukunft fehlen könnte.

Börse in New York am stärksten betroffen

Anders als in der Vergangenheit habe der Ölpreis-Boom der letzten Jahre bei den Fördernationen zu einem starken Anstieg ihrer Auslandsvermögen geführt, so die verantwortlichen Strategen. Sie schätzen, dass in den vergangenen Jahren rund 30 Prozent der Erträge aus der Erdölförderung so in die Finanzmärkte und damit auch in Aktien geflossen sind. Bankeigenen Schätzungen zufolge werden den Finanzmärkten aus heutiger Sicht jährlich 440 Milliarden Dollar an Kapitalzuflüssen fehlen.

Gemäss der Bank of America Merrill Lynch landete in den letzten Jahren rund die Hälfte der sogenannten "Petro-Dollars" in amerikanischen Staatsanleihen und Aktien und damit etwas weniger als die im vorangegangenen Jahrzehnt beobachteten 60 Prozent.

Folgen auch für die Schweiz

Auch am Schweizer Aktienmarkt dürften die Folgen zu spüren sein. Denn auch im Aktionariat unserer international tätigen Unternehmen sind staatliche Grossinvestoren aus Skandinavien und dem Mittleren Osten zu finden.

Der Wüstenstaat Katar hält beispielsweise 5,2 Prozent an der Credit Suisse. Auf 6,7 Prozent bringt es sogar die ebenfalls dem arabischen Raum zurechenbare Crescent Holding. Bei der UBS zählt hingegen der Staatsfonds von Singapur mit einem Stimmenanteil von 7,07 Prozent zu den bedeutendsten Aktionären.

Gleich bei mehreren Schweizer Firmen die Hand im Spiel hat der norwegische Staatsfonds. Eigenen Angaben zufolge verwaltet dieser mittlerweile 650 Milliarden Dollar. Gut 60 Prozent dieser Gelder sind in Aktien angelegt. Alleine in der Schweiz sind die Skandinavier mit rund 6 Prozent ihrer Aktienanlagen an nahezu 100 Firmen beteiligt.

Dabei setzt Norwegens Staatsfonds nicht nur auf gängige Unternehmen wie UBS, Credit Suisse, Julius Bär, Roche, Zurich, Nestlé oder Novartis. Über die letzten Jahre ist er vermehrt auch bei kleineren Schweizer Firmen eingestiegen. Alleine seit Anfang 2013 haben die Skandinavier bei Clariant, Rieter, Valora, Logitech, Gategroup und Meyer Burger Beteiligungen von jeweils etwas mehr als 3 Prozent aufgebaut.

Das Ausbleiben neuer "Petro-Dollars" wie es die Bank of America Merrill Lynch befürchtet, dürfte damit auch den Schweizer Aktienmarkt treffen.