Fällt der Goldpreis auf den Januar-Stand?

Nach einem deutlichen Wertverlust steuert der Goldpreis auf den Stand von Anfang Jahr zu. Wie es mit dem Edelmetall weitergeht, dazu gehen die Expertenmeinungen auseinander.
20.12.2016 08:35
Von Lorenz Burkhalter
Das Gold hat aus Anlegersicht an Glanz verloren.
Das Gold hat aus Anlegersicht an Glanz verloren.
Bild: Pixabay

Wäre das Geschehen an den Rohstoffmärkten eine Partie des Brettspiels Monopoly, hätten die Anleger beim Gold im übertragenen Sinn die berüchtigte "Zurück-auf-Start"-Karte gezogen. Noch in den Sommermonaten lag der Unzenpreis für das Edelmetall um fast 30 Prozent über dem Stand von Anfang Januar. Davon ist aber nicht mehr viel übrig. In Dollar betrachtet errechnet sich mittlerweile noch ein mageres Plus von gut 6 Prozent.

Und es könnte noch schlimmer kommen: Die Rohstoffstrategen von Julius Bär sehen die Unze Gold über die nächsten drei Monate sogar auf 1'075 Dollar und damit auf den Stand von Anfang Januar tauchen.

Fällt Gold bei den Anlegern gar in Ungnade?

Die für die Zürcher Privatbank tätigen Experten machen weniger die zweite Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank seit Ausbruch der Finanzkrise der Jahre 2007/08 als vielmehr ihre Projektionen für das nächste Jahr für die jüngsten Verluste an den Edelmetallmärkten verantwortlich. Allen Unkenrufen zum Trotz rechnet eine knappe Mehrheit ihrer Vertreter in den nächsten 12 Monaten nicht nur mit zwei, sondern gar mit drei Zinsschritten im Umfang von jeweils 25 Basispunkten.

Der Preis der Gold-Unze nähert sich wieder dem Stand von Anfang Jahr; Quelle: www.cash.ch

Steigende Zinsen sind der Goldpreisentwicklung gar nicht zuträglich, wird die Attraktivität nicht-verzinster Anlagen dadurch doch geschmälert. Für jede Reduktion von mit physischem Gold unterlegten Anlageprodukten um 100 Tonnen müsste der Unzenpreis den Julius-Bär-Strategen zufolge um 3,5 Prozent fallen. Demzufolge könnte der Preis sogar um weitere 15 Prozent tauchen, sollten sämtliche von Anlegern in der ersten Jahreshälfte erworbenen Goldbestände wieder auf den Markt kommen, so rechnen sie weiter vor.

Goldprognosen von UBS und Credit Suisse sind längst Makulatur

Ganz so schwarz wollen die Strategen dann aber doch nicht malen, wie die unverändert beibehaltene 12-Monats-Prognose von 1'150 Dollar je Unze vermuten lässt.

Die Berufskollegen von der Credit Suisse warnten aus taktischer Sicht sogar schon Mitte August vor einem vorübergehend tieferen Goldpreis. Damals trauten sie dem Edelmetall bis ins erste Quartal 2017 hinein allerdings einen Anstieg auf 1‘500 Dollar zu. Obschon sich an der ultralockeren Geldpolitik führender Zentralbanken bis heute nicht viel geändert hat, scheint diese Prognose nicht mehr sehr realistisch.

Nur wenige Wochen später warnte auch die UBS Investmentbank vor einem Rückschlag beim Gold. Anders als die Kollegen von der Credit Suisse verwiesen die Experten allerdings auf die zu diesem Zeitpunkt hohen spekulativen Goldpositionen an der Terminbörse Comex.

Nach dem Goldpreiszerfall der letzten Monate dürften weitere Banken dem Beispiel von Julius Bär folgen und ihre Prognosen mit dem Rotstift überarbeiten.