Fast alle Aktienfonds der Wall Street im Minus

Von 1941 Aktienfonds an der Wall Street mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar haben zu Jahresbeginn gerade einmal 24 ein positives Ergebnis erzielt.
06.02.2016 10:30
Wall Street leidet dezeit wie andere Finanzplätze auch.
Wall Street leidet dezeit wie andere Finanzplätze auch.
Bild: sxc

Das ist nicht viel mehr als ein Prozent und zeigt vor allem das Ausmaß des Blutbads an den Börsen zu Beginn des Jahres 2016. Schon 2015 ging nicht gerade als glorreiches Börsenjahr in die Geschichte der Wall Street ein - aber auf einen derart turbulenten Jahresbeginn war offenbar kaum jemand vorbereitet.

Weltweit sind die Börsen um acht Prozent abgesackt, und unter den Aktienfonds haben nur solche ein meist minimales Plus erreicht, die sich auf Versorger und andere klassische Defensivaktien konzentriert haben. Diese Nichtzykliker gelten als robuster in Zeiten ökonomischer Schwächephasen.

Das Ergebnis schmälert weniger die Leistung der Fondsverwalter im ersten Monat des Jahres, sondern liefert vor allem einen Fingerzeig über die ungewöhnliche Breite des Marktrückzuges. Rund 6,5 BillionenDollar sind an den Aktienmärkten weltweit vernichtet worden. Nahezu keine Strategie hat das Ruder herumreißen können - mit Konsum- und Gesundheitswerten haben selbst die Favoriten des Vorjahres seit dem 31. Dezember den Abwärtstrend mitvollzogen.

“Die ganz große Mehrheit der Anleger ist unvorbereitet getroffen worden", stellte Salestrader für Institutionelle Michael Antonelli von Robert W. Baird in Milwaukee fest. “Versorger und Telekom wären die Branchen, die man aufsuchen würde, weil ihre Geschäftsmodelle eher auf Dinge setzen, die auch im Abschwung gefragt bleiben." Es sei nun eine Rotation in diese Branchen zu beobachten. Das bedeute vor allem, dass sich die Anleger für eine neue Lage mit weniger Weltwirtschaftswachstum wappnen.

Analysten hatten noch im Dezember mit einem Jahresendstand von 2216 Punkten im S&P 500 gerechnet, und dass der breite europäische Stoxx 600 um 13 Prozent auf 415 Punkte steigen würde. Einen Monat später wurden diese Prognosen auf 2190 und 402 Punkte gekürzt.

Volatilität wächst

Mit den fallenden Aktienkursen wächst die Volatilität. Beim Ölpreis zeigen die Notierungen kaum Anzeichen für eine Erholung. Zugleich wachsen die Sorgen um eine stärkere Konjunkturabschwächung in China. Entsprechend waren Versorgertitel die einzige Branche im Welt-Aktienindex MSCI All- Country World, die keine Verluste verzeichnet haben.

Fondsmanager Skip Aylesworth, der den Hennessy Gas Utility Fund verwaltet, glaubt an die Fortsetzung der Turbulenzen. Sein Investmentpool ist einer der ganz wenigen unter denen, die Bloomberg in den USA beobachtet, die seit Jahresbeginn mit 2,3 Prozent einen nennenswerten Gewinn eingefahren haben. Auch er rät im Abschwung zu Versorgern und Immobilienwerten. Zu seinen am besten gelaufenen Titeln im Portfolio zählten Spectra Energy Corp. und Dominion Resources. Überdies neige er zu Erdgasunternehmen, sagte er, denn es gebe viele Verbraucher, die derzeit auf Erdgas als Energiequelle setzten.

Die beiden stärksten Gewinner waren die Aktienfonds The Reaves Utility Income und Franklin Utilities. Beide mit einem Plus von mehr als fünf Prozent seit Jahresbeginn. Zu mehr als 85 Prozent investieren sie in Aktien aus den USA, und zu ihren größten Beteiligungen zählen DTE Energy, Dominion Resources und Edison International. Ebenfalls in der Gewinnergruppe fanden sich ein Fonds von der BlackRock mit einem Fokus auf Edelmetallminenunternehmen und der Shinko Resona JREIT Active Open, der auf offene Immobilienfonds in Japan setzt. Beide konnten jeweils mehr als 2,5 Prozent an Wert zulegen.

Der Fonds Global Equity Absolute Return Fund von Old Mutual Global Investors schaffte es mit einer anderen Strategie, höhere Verluste zu vermeiden. Der Fonds kauft Aktien und geht mit ihnen gleichzeitig short, bleibt aber insgesamt Marktneutral positioniert, womit turbulente Zeiten gut überstanden wurden. “Wir haben ein Portfolio aufgebaut, dem die Lage des zugrundeliegenden Marktes egal ist, ob die Volatilität steigt oder ob die Anleger nervöser werden, wie es derzeit der Fall ist", sagt deren Chefinvestor Ian Heslop. “Für uns entscheidend ist die Fundamentallage, ob Anleger den Titel kaufen oder verkaufen, und die Gesamtbetrachtung des Marktes, in dem wir uns bewegen", sagte er.

(Bloomberg)