Faule Papiere im Umfang von 1 Billion - EU nimmt Problemkredite stärker ins Visier

Die Europäische Union will verstärkt die notleidenden Kredite im Volumen von 1 Billion Euro angehen, welche die Banken der Region belasten. Eine EU-weite Bad Bank soll die faulen Kredite übernehmen und verkaufen.
08.04.2017 05:11
Das neue EU-Finanzministerium in Brüssel.
Das neue EU-Finanzministerium in Brüssel.
Bild: Bloomberg

Malta, dem derzeit die EU-Ratspräsidentschaft obliegt, hat sich dafür stark gemacht, dass Massnahmen ergriffen werden, damit das Problem nicht die Finanzstabilität gefährdet und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt. Das geht aus einem Schreiben im Vorfeld des EU-Finanzministertreffens in Maltas Hauptstadt Valletta in dieser Woche hervor. Valdis Dombrovskis, der für den Finanzdienstleistungssektor zuständige EU-Kommissar, erklärte in einem separaten Schreiben an die Ratspräsidentschaft, dass sein Bereich dazu beitragen werde, eine Strategie für die sogenannten NPLs (Non-performing loans) in den EU-Mitgliedsstaaten zu koordinieren.

"Angesichts des Ausmasses wird sich das NPL-Problem nicht von selbst lösen, selbst im Kontext einer Konjunkturerholung", erklärte die maltesische Ratspräsidentschaft in dem Schreiben. "Ein Ansatz mit vielen Facetten, ein Mix aus politischen Massnahmen, auf nationaler und möglicherweise europäischer Ebene, ist der geeignetste Weg, um das NPL-Problem anzugehen."

Bloomberg News liegen beide Dokumente vor. Eine Sprecherin für die maltesische EU-Ratspräsidentschaft sagte, das Papier werde den Rahmen für die Diskussionen bilden.

Unsicherheiten und Ineffizienzen

Notleidende Kredite kamen Ende letzten Jahres auf einen Anteil von 5,1 Prozent an den Ausleihungen der Banken in der EU. Das waren 0,5 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor, wie aus Angaben der European Banking Authority (EBA) am Montag hervorging. Der höchste Anteil an faulen Krediten entfällt der EBA zufolge auf Griechenland, Zypern, Portugal und Italien.

Malta wies in seinem Schreiben auch auf "Unsicherheiten und Ineffizienzen" in den nationalen Insolvenzregimes hin, die hinter dem langsamen Abbau von NPLs in verschiedenen Staaten stehen. Ein effizienteres Rahmenwerk, auch bei der Vollstreckung von Krediten, könne dazu beitragen, den Wert der Problemkredite zu heben.

Die Politikverantwortlichen sollten die Entwicklung eines Sekundärmarktes für NPLs unterstützen, hiess es weiter. Mögliche Transaktionen würden derzeit dadurch behindert, dass "grosse Bewertungsunterschiede zwischen Käufern und Verkäufern" bestehen. Zu den Problemen zählten auch ein Mangel an Informationen zur Asset-Qualität sowie unzureichende Liquidität. Dies sollte durch höhere Transparenz und durch Ermutigung privater Investoren angegangen werden.

Bad Bank soll einen Markt schaffen

Der EBA-Vorsizende Andrea Enria hat vorgeschlagen, eine EU-weite Asset-Management-Gesellschaft aufzustellen, die die faulen Kredite übernimmt und deren Verkauf betreut. Diese Bad Bank würde dazu beitragen, einen Markt für die Kredite zu schaffen, indem eine kritische Masse erreicht wird. Zudem wäre dies eine einzige Anlaufstelle für private Investoren, die kaufen wollten.

Auch die Europäische Zentralbank, die für die Aufsicht der grössten Banken im Euroraum zuständig ist, hat NPLs zu einer Priorität erklärt. Sie veröffentlichte im vergangenen Monat ihre endgültige Richtschnur zu dem Problem und kündigte an, dass Banken mit grossen Volumina an faulen Krediten Briefe erhalten werden, in denen sie aufgefordert werden, Lösungen zu finden.

(Bloomberg)