Fed-Entscheid beherrscht die neue Börsenwoche

Das Warten hat ein Ende: In der neuen Woche erhalten Börsianer endlich eine Antwort auf die Frage, ob die US-Notenbank Fed schon im September die Zinsen erhöht.
17.09.2016 15:06
Aktien verkaufen oder kaufen? Anleger sollten den Zinsentscheid der Fed abwarten.
Aktien verkaufen oder kaufen? Anleger sollten den Zinsentscheid der Fed abwarten.
Bild: ©kebox/Fotolia.com

"Wir stehen vor einer heissen Woche", sagt Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. "Die Fed muss nach zahlreichen widersprüchlichen Kommentaren von Mitgliedern für mehr Klarheit über ihren Kurs sorgen."

In der vorigen Woche drückte die Verunsicherung unter den Anlegern den Dax um 2,8 Prozent ins Minus und damit auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen. Dabei sorgte der Schock über die in den USA drohende Mega-Strafe für die Deutsche Bank am Freitag für zusätzliche Nervosität. Der New Yorker Leitindex Dow Jones schaffte auf Wochensicht gerade noch ein kleines Plus von 0,2 Prozent.

Der Swiss Market Index (SMI) büsste 0,66% auf 8'130,44 Punkte ein. Im Wochenvergleich ergab sich ein Minus von 1,6%. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gab um 0,96% auf 1'230,99 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,62% auf 8'850,97 Punkte. Unter den 30 wichtigsten Titeln lagen am Ende 25 im Minus, vier im Plus sowie Novartis unverändert.

Angesichts einer Serie enttäuschender US-Konjunkturdaten sehen Investoren die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung bei gerade einmal zwölf Prozent. "Mehr als eine temporäre Erleichterungsrally ist bei einem erneuten Zögern der US-Notenbank am Mittwoch nicht zu erwarten", betont Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Es könnte sogar zu einem Verlust an Vertrauen kommen." Schliesslich habe die Notenbank die Schwäche der US-Konjunktur im ersten Halbjahr als vorübergehend gewertet.

Wenige Stunden vor ihren US-Kollegen gibt die Führung der Bank of Japan (BoJ) ihre Zinsentscheidung bekannt. Insidern zufolge will sie den Satz auf Einlagen bei der Zentralbank noch weiter ins Minus drücken, um die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft anzukurbeln. Eine erneute Ausweitung der Wertpapierkäufe sei dagegen nicht zu erwarten, sagt Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. "Schliesslich hält die BoJ schon über ein Drittel aller japanischen Staatsanleihen."

Warnung vor turbulentem Herbst

Auch über die neue Woche hinaus sollten sich Investoren auf Kursturbulenzen einstellen, rät Lukas Daalder, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Robeco. Risikofaktoren gebe es viele: "Für ein böses Erwachen könnten die hohen Bewertungsniveaus von US-Aktien sorgen sowie unter Druck stehende Unternehmensgewinne, unsichere Perspektiven in China, hohe Schuldenstände und die Wahlen in den USA im November."

CMC-Analyst Stanzl verweist zudem auf das gegen Jahresende anstehende Referendum zur geplanten Verfassungsreform in Italien. Ministerpräsident Matteo Renzi hat seine politische Zukunft an diese Abstimmung geknüpft. Bei vorgezogenen Neuwahlen könnte Umfragen zufolge die europaskeptische "Fünf Sterne"-Bewegung zur stärksten Kraft aufsteigen.

Im Fokus dürfte auch die Deutsche Bank stehen: Das US-Justizministerium hatte zum Ende der Woche eine Forderung von 14 Milliarden Dollar an das Geldhaus gerichtet als Wiedergutmachung für Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Die Bank geht zwar davon aus, in den Verhandlungen mit den Behörden die Summe drücken zu können.

Doch selbst ein Drittel der angedrohten Strafe wäre eine schwere Last. "Man muss sich fragen, ob die Finanzregulatoren mit derart hohen Strafen nicht mehr Schaden anrichten, als sie Gutes tun", sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital vor. "Wie sollen Banken die Krise jemals hinter sich lassen." Im Sog der Deutschen Bank gerieten auch andere Finanzaktien unter Druck.

Dünner Kalender bei Konjunkturdaten und Firmenbilanzen

Konjunkturdaten stehen in der neuen Woche nur wenige auf dem Terminplan. In den USA werden am Donnerstag unter anderem die Frühindikatoren veröffentlicht. Am Freitag folgen die Stimmungsbarometer der Einkaufsmanager aus Deutschland und der Euro-Zone. Auf Unternehmensseite legt der Deutsche Post -Rivale FedEx am Dienstag seine Zwischenbilanz vor.

(Reuters)