Fed-Entscheid ohne Einfluss auf die SNB

Oliver Adler, Chefökonom der CS, erläutert im Video-Interview, wie es nach dem ersten Anstieg mit den US-Zinsen weitergeht. Ausserdem sagt er, was dies für die Negativzinsen in der Schweiz bedeutet.
17.12.2015 11:09
Oliver Adler ist Head Economic Research bei der Credit Suisse.
Bild: cash

Mit der ersten Erhöhung der US-Leitzinsen nach sieben Jahren beendete die US-Notenbank Fed am Mittwoch ihre Nullzinspolitik. Der Entscheid nahm viel Unsicherheit aus dem Markt. Dies führte an der New Yorker Börse, später in Asien und nun auch am Swiss Market Index (SMI) zu klar steigenden Kursen.

Für den Dollar sei der Zinsanstieg grundsätzlich gut, auch wenn die US-Währung mittelfristig zum Euro und Franken weiter aufwerten dürfte, erklärt Oliver Adler, Head Economic Research bei Credit Suisse, im Video-Interview. Bereits unmittelbar nach der Zinswende hat sich der Dollar gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken etwas gestärkt. Der Dollar-Franken-Kurs liegt derzeit bei 0,995.

Der Zinsschritt sei historisch zu nennen, weil "er ausdrückt, dass die US-Notenbank die Finanzkrise und ihre Folgen für beendet betrachtet", so Adler weiter. Die Börsen profitierten jahrelang stark vom billigen Geld der Notenbanken. Mit der Fed weicht nun erstmals eine grössere Zentralbank von diesem Kurs ab und legt künftig die Spanne der Leitzinsen auf einen Wert von 0,25 bis 0,50 Prozent fest.

Für die Finanzmärkte wird nun auch das weitere Vorgehen der amerikanischen Notenbank interessant sein. In welchem Tempo werden die weiteren Zinsschritte folgen? Für Adler werden die weiteren Erhöhungen nicht schnell, aber stetig folgen. Konkret seien dies Erhöhungsschritte im Takt von 2 bis 3 Monaten, so dass die US-Leitzinsen Ende nächstes Jahr "bei 1 Prozent oder sogar höher sind".

Auch für die Schweiz eine Erleichterung

Der gestrige Entscheid der US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen ist tendenziell auch von Nutzen für die Schweiz. Zum einen verringert sich der Aufwertungsdruck auf den Franken. Zum anderen ebnet ein solcher Entscheid langfristig den Weg aus dem ungewöhnlichen Regime der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die seit knapp einem Jahr Negativzinsen von 0,75 Prozent auf einem Teil der Giroguthaben der Banken erhebt.

Doch in der kurzen oder gar mittleren Frist wird die SNB von ihrem Kurs noch nicht abrücken: "Die Negativzinsen in der Schweiz bleiben solange die Europäische Zentralbank bei ihrer sehr expansiven Politik bleibt", so Adler. Und das werde mindestens nächstes Jahr noch so sein.

Ausserdem erläutert Oliver Adler im Video-Interview, welche Auswirkungen ein gradueller Zinsanstieg auf die verschiedenen Anlageklassen haben wird.

(AWP/cash)