Fed-Geldpolitik - Kommt die Zinswende in den USA schneller als erwartet?

In der US-Notenbank Fed mehren sich angesichts der rund laufenden Konjunktur die Forderungen nach einer deutlich strafferen Geldpolitik.
22.03.2017 10:38
Die Notenbank Fed in Washington.
Die Notenbank Fed in Washington.
Bild: Bloomberg

Während die Zentralbank in den beiden Vorjahren nur jeweils eine Zinserhöhung wagte, sind für 2017 nun drei oder sogar mehr Schritte im Gespräch. Die Chefin des Fed-Ablegers in Cleveland, Loretta Mester, dringt auf eine schnellere Gangart: "Ich habe in meiner Vorhersage derzeit mehr als drei Schritte vorgesehen, denn ich sehe die Wirtschaft etwas stärker", sagte sie am Dienstag in Richmond im Bundesstaat Virginia. Auch ihr Kollege Charles Evans aus Chicago hatte jüngst vier Erhöhungen nicht ausgeschlossen.

In ihrer aktuellen Prognose haben die Währungshüter im Mittel drei Anhebungen für 2017 nach oben vorhergesagt. Den ersten Schritt haben sie im März getan und den Schlüsselsatz auf 0,75 bis 1,0 Prozent gehievt. Da praktisch Vollbeschäftigung herrscht und sich die Inflationsrate der angestrebten Marke von zwei Prozent nähert, spricht sich der Chef der Fed-Filiale Dallas, Robert Kaplan, für zwei weitere Erhöhungen aus. Im Reuters-Interview plädierte er zudem dafür, die in den zurückliegenden Krisenzeiten stark aufgeblähte Bilanz in naher Zukunft "schrittweise und behutsam abzubauen". Sein Kollege Neel Kashkari aus Minneapolis will dieses Thema möglichst rasch angehen: "Je früher, desto besser."

Kashkari hatte sich jüngst als einziges Notenbankmitglied gegen eine Zinserhöhung ausgesprochen und dies damit begründet, dass vorher ein detaillierter Plan zum Abschmelzen der Bilanz vorgelegt werden solle. Er hält es für möglich, dass sich die Finanzierungsbedingungen durch die blosse Ankündigung des Portfolioabbaus verschärfen werden und dieser Schritt von der Wirkung her einer Zinserhöhung gleichkommen könnte. Die Fed hält die Bilanz seit längerem auf hohen Niveau konstant, da sie Einnahmen aus auslaufenden Anleihen wieder in neue Papiere investiert. Vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise 2007/08 lag die Bilanzsumme der Fed bei 800 Milliarden Dollar. Mit dem massiven Ankauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren wurde sie zur Stützung der Konjunktur auf 4,5 Billionen Dollar ausgeweitet.

Wegen der möglichen Folgewirkungen plädiert Kaplan anders als sein Kollege Kashkari dafür, einen Bilanzabbau erst anzugehen, wenn die Fed bei den Zinsen nachgelegt hat. Laut der aktuellen Fed-Sprachregelung müssen Zinserhöhungen zunächst "voll im Gang sein", bevor die Notenbank das Abschmelzen ihres Wertpapier-Portfolios in Angriff nehmen kann. 

(Reuters)