Fed-Kommentare schmecken Anlegern nicht

Die Betonung weltwirtschaftlicher Risiken durch die US-Notenbank Fed ist am Mittwoch an der Wall Street nicht gut angekommen.
27.01.2016 22:33
Fed-Chefin Janet Yellen macht den Anlegern keine Freude.
Fed-Chefin Janet Yellen macht den Anlegern keine Freude.
Bild: Bloomberg

Belastet wurde die Börse zudem von enttäuschenden Geschäftsentwicklungen bei Apple und Boeing. Ansonsten diktierte die turbulente Ölpreisentwicklung über weite Strecken das Handelsgeschehen zur Wochenmitte.

Der Dow Jones Industrial schloss nach schwankungsfreudigem Handelsverlauf mit einem Minus von 1,38 Prozent bei 15 944,46 Zählern. Am Dienstag war der Leitindex noch um 1,8 Prozent gestiegen. Der marktbreite S&P-500-Index fiel am Mittwoch um 1,09 Prozent auf 1882,95 Punkte. Der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 büsste 2,48 Prozent auf 4128,86 Punkte ein.

Fed-Ausblick bleibt positiv

Die Fed rückte in Sachen Zinsentscheidung die globalen Gefahren stärker in den Fokus. Die Erwartungen für eine Leitzinsanhebung auf der kommenden Sitzung im März wurden so gedämpft, auch wenn sie weiterhin nicht als ausgeschlossen gilt. Den Leitzins haben die Währungshüter wie von Volkswirten erwartet nicht verändert.

Die Fed habe zwar auf den wirtschaftlichen Gegenwind hingewiesen, sei aber nicht von ihrem recht positiven Ausblick abgewichen, kommentierte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner die Aussagen der Währungshüter. Voraussetzung für eine Leitzinsanhebung auf der nächsten Sitzung am März sei jedoch eine Stabilisierung der Finanzmärkte und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Daten.

Das Analysehaus Capital Economics hält vor allem eine Verbesserung der Wirtschaftsdaten in China für nötig. Diese könnten jedoch zu spät kommen, um eine Zinserhöhung im März zu rechtfertigen. In der zweiten Jahreshälfte sollte die US-Notenbank jedoch die Zinsen rascher anheben als von den Märkten erwartet, glauben die Experten von Capital Economics. Bis Ende 2016 sollte der Leitzins demnach bis auf 1,50 bis 1,75 Prozent steigen.

Ölpreise auf Achterbahnfahrt

Die Ölpreise haben ihre kräftigen Schwankungen der Vortage zur Wochenmitte fortgesetzt. Nachdem die Preise am Dienstag noch über 32 US-Dollar gestiegen waren, ging es am Mittwoch zunächst wieder in Richtung der Marke von 30 Dollar. Kurz darauf folgte an den derzeit extrem schwankungsanfälligen Ölmärkten die nächste Wende, die die Preise wieder über 32,50 Dollar hievte. Dies ist angesichts des überraschend deutlichen Anstiegs der US-Ölreserven umso bemerkenswerter.

In den USA hat sich der Markt für neue Häuser im Dezember deutlich besser entwickelt als erwartet. Die Neubauverkäufe legten zum Vormonat um 10,8 Prozent zu. Bankvolkswirte hatten mit einem Zuwachs von lediglich 2,0 Prozent gerechnet.

Apple enttäuschen

Auf Unternehmensseite sorgte Apple mit einem schwachen Geschäftsausblick für Gesprächsstoff. Die Papiere fielen um 6,57 Prozent. Zwischenzeitlich ging es so stark abwärts wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research verwies jedoch auf die immer noch überragenden Gewinnmargen und die sehr hohe Liquidität des Elektronikkonzerns. "Funktioniert das iPhone weiter sehr gut oder schafft Apple einen Ersatz herbei im Portfolio, könnte die Aktie noch viele Jahre als Basisinvestment auf dem Kurszettel stehen", glaubt Saurenz.

Die Anteilsscheine von Boeing sackten am Dow-Ende um fast 9 Prozent ab. Der Flugzeugbauer enttäuschte ebenfalls mit seinen Geschäftszielen. Zudem belasteten Sonderkosten den Gewinn des Konzerns zum Jahresende stark. Zwischenzeitlich fiel die Aktie so stark wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Der US-Biotech-Konzern Biogen hat trotz der Probleme bei seinem Hoffnungsträger Tecfidera einen versöhnlichen Jahresausklang geschafft. Umsatz und Ergebnis entwickelten sich im vierten Quartal besser als gedacht. Für das laufende Jahr kündigte Biogen-Chef George Scangos am Mittwoch weitere Durchbrüche bei der Entwicklung neuer Medikamente an, unter anderem gegen die Krankheit Alzheimer. Biogen-Titel waren mit plus 5,15 Prozent bester Wert im Nasdaq-Index.

Der Eurokurs hat am Mittwoch mit einem Wertzuwachs auf die US-Zinsentscheidung reagiert. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde im US-Handel zuletzt mit 1,0893 US-Dollar gehandelt. Zehnjährige US-Staatsanleihen verharrten zuletzt bei 102 8/32 Punkte und rentierten mit 1,99 Prozent.

(AWP)