Fed muss gegen den Strom schwimmen

In den USA stehen die Zeichen dieses Jahr auf Zinserhöhung. Auch wenn die Währungshüter nur kleine Schritte planen, wird ihnen vorerst keine der grossen Notenbanken auf diesem Weg folgen. Im Gegenteil.
17.03.2016 20:00
Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve, will die Zinsen erhöhen - gegen den globalen Trend.
Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve, will die Zinsen erhöhen - gegen den globalen Trend.
Bild: Bloomberg

Die Notenbanken überbieten sich geradezu dabei, Geldsalven abzufeuern und Zinsen zu senken, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das Thema erhitzt bereits im US-Wahlkampf die Gemüter: Präsidentschaftsbewerber Donald Trump spricht von einem Währungskrieg, den die USA nur verlieren könnten. Was haben die Notenbanken von Peking bis Bern an Munition im Arsenal?

China hat noch Puffer

Die Notenbank PBOC in Peking stemmt sich mit immer neuen Zinssenkungen gegen die abflauende Wirtschaft - seit Februar 2015 bereits fünf Mal. Sie hat bei einem Leitzins von aktuell 4,35 Prozent aber noch jede Menge Spielraum für weitere Schritte. Zudem versucht sie über eine Senkung der Mindestreserve, die Geschäftsbanken bei der PBOC halten müssen, den Finanzinstituten mehr Spielraum für die Vergabe von Darlehen zu geben.

In Japan versucht die Zentralbank seit Jahren mit riesigen Geldspritzen, der lahmenden Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Mit durchwachsenem Erfolg: Ende 2015 schrumpfte die Wirtschaft sogar um 0,3 Prozent. Nach der Einführung von Strafgebühren für Banken, die Geld bei der Bank of Japan (BoJ) parken, sind auch Leitzinsen unter null kein Tabu mehr. Laut Notenbankchef Haruhiko Kuroda würde damit der Kurs des Yen weiter gedrückt. Doch will er nichts von einem Währungskrieg hören: "Unsere Geldpolitik zielt nicht auf den Wechselkurs ab."

Jahrelang war Japans Konjunktur in der Deflation gefangen, einem Preisverfall auf breiter Front: Löhne sanken, Investitionen stockten. Der Teufelskreis ist noch nicht durchbrochen. "Die BoJ hat Grund nervös zu werden. Denn die Abwertung des Yen zusammen mit der negativen Konsumentwicklung und den niedrigen Rohstoffpreisen birgt deflationäre Gefahren: Ein explosives Gemisch", meint NordLB-Ökonom Stefan Grosse.

Währungskrieg?

Währungskrieg? Auch EZB-Präsident Mario Draghi will davon nichts wissen. Die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank richteten sich allein an die heimische Wirtschaft. "Somit sind wir überhaupt nicht in diesem Krieg," so Draghi. Die Notenbank hat ein ganzes Massnahmenpaket zur Ankurbelung der Wirtschaft und für mehr Preisauftrieb auf den Weg gebracht. Auch die feuert derzeit aus allen Rohren. Sie senkte alle drei Leitzinsen, weitete ihre umstrittenen Anleihenkäufe aus und verschärfte den Strafzins für Banken. Als Ausgleich kündigte sie mehrere besonders günstige und langfristige Kreditlinien für Geldinstitute an.

"Wir haben immer den Eindruck gehabt, dass die EZB stets etwas mehr macht als nötig erscheint", sagt Volkswirt Jens-Oliver Niklasch von der Stuttgarter LBBW. Denn es sei schwer abschätzbar, wie viel davon tatsächlich in der Wirtschaft ankomme. Draghi argumentiert, ohne die Geldflut wäre die Euro-Zone längst in eine Deflation abgerutscht.

Fed will Zinsen erhöhen

In den USA wetterte jüngst der Republikaner Trump, die weltweiten Abwertungen der Währungen entwickelten sich zur Gefahr für die US-Wirtschaft. "Alle ausser uns tun das." Der Blick auf die Entwicklung der Wechselkurse in diesem Jahr stützt Trumps These allerdings nicht, dass die US-Geldpolitik dem Dollar Auftrieb verschaffe und damit den Exporteuren das Leben schwermache. Der Euro hat seit Jahresbeginn in der Spitze 4,7 Prozent zum Dollar zugelegt, der Yen sogar fast acht Prozent.

US-Notenbankchefin Janet Yellen will angesichts des brummenden Arbeitsmarktes und der gut laufenden Wirtschaft die Geldpolitik weiter behutsam straffen. Derzeit hält die Fed den Leitzins in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Bis zum Jahresende dürften noch zwei kleine Schritte folgen. Wegen der Flaute der Weltwirtschaft werde es für Yellen aber immer schwieriger, gegen den Strom zu schwimmen, meint Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

SNB bleibt in Alarmbereitschaft

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält ihre Zinsen auf Rekordtief, um den Franken zu schwächen. Sie beliess ihren Leitzins, den Dreimonats-Libor, und die Strafgebühren für Einlagen der Banken am Donnerstag bei minus 0,75 Prozent. Sie kündigte zudem bei Bedarf weitere Interventionen am Devisenmarkt an. "Eine erneute Aufwertung der Währung würde die Schweizer Exporteure und die Tourismusindustrie bedrohen und die SNB wird das sicherlich in Betracht ziehen", sagt Volkswirt Tobias Rühl von der Grossbank UniCredit.

Auch in Grossbritannien bleiben die Zinsen auf dem für die Insel historisch niedrigen Niveau von 0,5 Prozent. Eine Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik kommt für die Bank of England momentan nicht in Frage - auch wenn die Konjunkturentwicklung günstig erscheint. Denn Notenbank-Chef Mark Carney muss ein zentrales Datum im Blick behalten: Am 23. Juni entscheiden die Briten über einen Austritt aus der EU. Bei einen "Brexit" könnte der Finanzstandort London womöglich erheblichen Schaden nehmen.

(Reuters)