Fed-Vertreterin warnt vor zu früher Zinserhöhung

Neue Äusserungen von Vertretern der Federal Reserve haben die Annahme gestützt, dass eine US-Zinserhöhung noch in diesem Monat unwahrscheinlich sein dürfte.
13.09.2016 06:15
Gebäude der US-Notenbank in Washington, D.C.
Gebäude der US-Notenbank in Washington, D.C.
Bild: iNg

Die einflussreiche Notenbankdirektorin Lael Brainard warnte vor einem zu frühen Ende der lockeren Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft. Anders als viele Experten meinten, könnte der Arbeitsmarkt die Vollbeschäftigung noch nicht erreicht haben, sagte sie am Montag. Daher erscheine eine Straffung der Geldpolitik weniger zwingend. Experten gehen davon aus, dass die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am 20. und 21. September noch stillhält und frühestens im Dezember die Zinsen anheben wird.

Brainard sagte, sie wolle noch einen stärkeren Aufwärtstrend bei den Konsumausgaben sehen. Auch bleibe der Druck auf die Inflation durch die Erholung des Arbeitsmarktes noch aus. Die Hoffnung der Fed, dass über höhere Löhne auch die Preise steigen, sei bislang nicht erfüllt. Brainard gehört zu den Notenbankern, die einer Zinserhöhung von jeher zögerlich gegenüberstehen. Zur nächsten Zinsentscheidung der Fed äusserte sie sich nicht. Auch der Chef des Fed-Bezirks von Minneapolis, Neel Kashkari, sagte dem Fernsehsender CNBC, dass er eine geldpolitische Straffung nicht als besonders dringlich ansehe.

Brainards Äusserungen sorgten dafür, dass die US-Börsen nach anfänglichen Verlusten ins Plus drehten. Zuvor hatte noch die Furcht vor einem baldigen Ende des billigen Geldes die US-Anleger in die Flucht getrieben.

Zuletzt wurden die Stimmen aus der Notenbank für ein Anziehen der Zinsen lauter, wobei der Zeitpunkt dafür allerdings offen blieb. Das Thema Zinserhöhung muss nach Ansicht von US-Währungshüter Dennis Lockhart aber auf der anstehenden Notenbanksitzung kommende Woche zur Sprache kommen. "Ich denke die Umstände erfordern eine lebhafte Debatte", sagte der Chef des Notenbank-Ablegers von Atlanta. Entgegen eher skeptischen Kollegen im Fed-Führungskreis sei er der Ansicht, dass die Wirtschaft weiter brumme und nicht, dass ihr die Puste ausgehe. Anders als Brainard ist Lockhart aber derzeit in dieser Frage nicht stimmberechtigt.

Im Dezember 2015 hatte die Fed erstmals seit fast zehn Jahren den Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld wieder angehoben. Seitdem liegt er in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. 

(Reuters)