Federal Reserve - Yellens Bilanz glänzt bisher nur bei Jobs

Auf der Beschäftigungsseite des dualen Mandats der Federal Reserve kann die Vorsitzende Janet Yellen bislang eine glänzende Erfolgsbilanz vorweisen. Auf der anderen Seite gibt es jedoch ein Problem mit der Inflation.
10.06.2017 08:24
Janet Yellen erbte bei ihrem Stellenantritt historisch niedrige Inflations- und Wachstumsraten.
Janet Yellen erbte bei ihrem Stellenantritt historisch niedrige Inflations- und Wachstumsraten.
Bild: Bloomberg

Seit Yellens Amtsantritt an der Spitze der US-Notenbank im Februar 2014 lag das bevorzugte Preismaß der Fed bei durchschnittlich 1,1 Prozent und damit deutlich unter dem Notenbankziel einer Inflation von zwei Prozent. In den Jahren des Fed-Vorsitzes von Alan Greenspan zwischen 1987 und 2006 belief sich der Durchschnitt auf 2,5 Prozent und in den acht Jahren unter Ben Bernanke auf 1,9 Prozent.

Sollte sich der Trend fortsetzen - Yellen verbleiben ohne eine Wiederernennung durch Präsident Donald Trump noch sieben Monate im Amt -, wäre es der einzige Fed-Vorsitz in 30 Jahren, der keine nachhaltige Inflation nahe dem erklärten Fed-Ziel erreicht hat. Es wäre schon eine gewaltige Ironie für Yellen, galt sie doch vor ihrer Vereidigung als geldpolitische Taube, die für Zuwächse am Arbeitsmarkt eine höhere Inflation in Kauf nehmen würde.

"Es ist aufschlussreich", sagt Torsten Slok, internationaler Chefökonom der Deutsche Bank in New York. Trotz all der expansiven Geldpolitiken der Notenbanken "sind wir noch immer nicht in der Lage gewesen, Inflation zu erzeugen. Wir alle aus der promovierten Gemeinschaft der Wirtschaftswissenschaften werden dadurch Demut gelehrt."

Die US-Notenbanker beobachten die Inflationsentwicklung mit Vorsicht, selbst wenn sie sich darauf vorbereiten, bei ihrem Treffen am 13. und 14. Juni die Leitzinsen anzuheben. die Gouverneure Lael Brainard und Jerome Powell sagten vergangene Woche in Reden, dass sie die Inflation genauestens im Blick behielten. Zudem sprachen sie sich für ein weiterhin allmähliches Tempo bei den Zinserhöhungen aus.

"Wenn sich die schwachen Inflationsdaten fortsetzen, wäre das Grund zur Besorgnis und könnte mich letztlich dazu bringen, den angemessenen Kurs in der Geldpolitik zu überdenken", sagte Brainard am 30. Mai vor der New York Association for Business Economics.

Zielsetzung expliziter als in der Vergangenheit

Bislang haben die niedrigen Teuerungsraten der US-Wirtschaft nicht geschadet, und die Preise steigen allmählich mit den Löhnen an. Das von der Fed favorisierte Maß für den Preisdruck, der PCE-Deflator für die persönlichen Konsumausgaben, betrug im Schnitt der ersten vier Monate 2017 auf Jahresbasis 1,9 Prozent, was sich angesichts der Ungenauigkeit der Preismessungen nahe genug am Fed-Ziel von zwei Prozent befindet. Demnach beschleunigte sich der Preisauftrieb gegenüber 1,1 Prozent im Vorjahr und 0,3 Prozent 2015. Doch die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, ein Richtwert für den Kurs der langfristigen Inflation, haben sich 2017 in jedem Monat auf Jahresbasis abgeschwächt und lagen im April bei 1,5 Prozent.

Zu Yellens Verteidigung muss gesagt sein, dass die Fed erst 2012 ihr Niedriginflationsziel von zwei Prozent spezifiziert hat. Das macht ihre Zielsetzung expliziter als in der Vergangenheit. Außerdem erbte sie historisch niedrige Inflations- und Wachstumsraten, während sich die Wirtschaft von einer schweren, 2009 endenden Rezession erholte.

Überdies haben die zügigen und aggressiven Maßnahmen der Fed während der Krise dazu beigetragen, dass sich die US-Wirtschaft stärker erholte als der Euroraum und Japan. Und das Mandat von Yellen - die 15. Person und erste Frau, die die Fed leitet - war bisher kürzer als das von vielen ihrer Vorgänger. Im Laufe der Zeit könnte somit auch unter ihrer Regie die Inflation weiter zulegen.

Doch je länger die Teuerung unter dem Zielwert liegt, desto weniger Vertrauen haben Verbraucher, Unternehmen und Investoren in die Inflationssteuerung der US-Notenbank. Auf längere Sicht könnte dies die Erwartungen hinsichtlich künftiger Preise belasten.

Aufschlussreich war die Umfrage der Atlanta-Fed zu den Geschäftserwartungen. Das langfristige Inflationsziel der Fed sahen demnach 48 Prozent der Unternehmen bei zwei Prozent. Auf die Frage, ob die Fed auch eine Inflation unter oder über dem Ziel tolerieren würde, erklärten 38 Prozent, dass die Hinnahme einer Teuerung unterhalb des Ziels wahrscheinlicher sei. Nur 25 Prozent der Befragten meinten, die Fed wäre gleichermaßen dazu bereit, Preiszuwächse über oder unter ihrem Ziel zu akzeptieren.

Abwärtstrend der Inflationserwartungen ist ein Problem

Die Verbrauchererwartungen für die Inflation auf Sicht von drei Jahren beliefen sich einer Befragung der New Yorker Fed zufolge im April auf 2,9 Prozent, verglichen mit noch 3,2 Prozent drei Jahre zuvor. "Ein langfristiger Abwärtstrend der Inflationserwartungen ist ein Problem und muss angegangen werden", sagt Lewis Alexander, Chefökonom von Nomura in New York. Die Geldpolitiker sollten eine gründliche Debatte über das angestrebte Preisniveau führen, wie es sich zusammensetzt und wie es kommuniziert wird.

Yellens Bilanz kann aber nicht nur anhand der Preisentwicklung beurteilt werden. Die US-Notenbank hat auch das Mandat, Vollbeschäftigung zu erreichen - und daran gemessen hat sie eine glänzende Leistung vollbracht.

So fiel die Arbeitslosenquote im Mai mit  4,3 Prozent auf ein 16-Jahres-Tief, während ein breiteres Maß der Unterauslastung am Arbeitsmarkt - das auch Beschäftigte mit Teilzeitstellen einschließt, die lieber Vollzeit arbeiten würden - auf 8,4 Prozent zurückging, verglichen mit 12,6 Prozent zum Zeitpunkt der Amtsübernahme von Yellen als Fed-Chefin.

Die Fed-Notenbanker bauen auf die Theorie, dass eine angespanntere Lage am Arbeitsmarkt zu Lohnzuwächsen führt, die die Arbeitnehmer letztlich an die Verbraucher weitergeben - was die Inflation ankurbeln würde. Doch ob dieses Modell auch in einer Wirtschaft aufgeht, in der eine Rezession bei Verbrauchern und Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen hat, bleibt abzuwarten. Die Löhne sind zwar gestiegen, doch einige Unternehmen entschieden sich dazu, lieber niedrigere Gewinne hinzunehmen als die Kosten in Form höherer Produktpreise an die Kunden weiterzugeben.

"Der Ausschuss ist lange Zeit davon ausgegangen, dass er die Inflation etwas schneller ankurbeln würde", sagt Michael Hanson, leitender US-Makrostratege von TD Securities in New York. "Wir lernen, dass die Inflationserzeugung nicht so einfach ist.

(Bloomberg)