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Fehlt dieser Reise-Aktie der Schub?

Weder der bisherige Aktienkurs noch die Gewinnzahlen von Dufry sind sonderlich verheissungsvoll. Für den Kauf der Aktie spräche jedoch manches - wenn man nicht bei einigen Punkten vorsichtig sein sollte.
14.07.2015 14:46
Von Marc Forster
Dufry-Shop in Mailand.
Dufry-Shop in Mailand.
Bild: ZVG

Die Zahl der Passagiere an den Flughäfen der Welt steigt von Jahr zur Jahr um vier bis fünf Prozent. Zwei Drittel der Läden des Airport-Ladenbetreibers Dufry verkaufen zollfreie Waren. Neben Flughäfen, dem Hauptgeschäft, verkauft Dufry auch Waren auf Schiffen und in Häfen. Geht man davon aus, dass Passagiere mit der Zeit immer mehr Geld in Duty-Free-Läden ausgeben, müsste sich das in der Schweiz kotierte Unternehmen in einer sorgenfreien Welt befinden.

Dem ist aber nicht so. Das erste Quartal fiel operativ durchzogen aus und resultierte mit einem Verlust. In Russland und Brasilien zögern die Fluggäste, Geld im Flughafenshop liegenzulassen. Der Aktienkurs von aktuell 135 Franken ist fast zehn Prozent tiefer als am Jahresanfang, wobei er heftige Ausschläge gezeigt hat: Im April übertraf der Kurs den Jahresbeginn-Wert, nur um dann erneut auf Talfahrt zu gehen. Die forsch dazukaufende Gruppe musste zuletzt aber auch Kapitalerhöhungen durchführen.

Dufry mit Griechenland-Aspekt

Die Analysten sind geteilter Meinung, was Dufry betrifft: Kepler, die UBS, Baader Helvea, Jefferies und Natixis empfehlen die Aktie zum Kauf, mit Kurszielen zwischen 155 und 180 Franken, also teils deutlich über dem aktuellen Kurs. Vontobel ermutigt zu einem 'hold', die Zürcher Kantonalbank sagt 'marktgewichten', während Citi zuletzt eine Verkaufsempfehlung aussprach.

Die Dufry-Story enthält auch einen Griechenland-Aspekt, einen gewichtigen sogar: Rund 10 Prozent des Reingewinns kommen aus dem südosteuropäischen Krisenland, nachdem 2012 Durfy den Ladenbetreiber Hellenic Duty Free gekauft hat.

Ausgerechnet das gegenwärtige Hick-Hack um die internationalen Finanzhilfen für das Land könnten eine Chance für Dufry sein. Über den berühmt-berüchtigten 50-Milliarden-Privatisierungsfonds der Griechenland-Gläubiger sollen auch Flugplätze privatisiert werden: Mehr Markt könnte bedeuten, dass Dufry für die Verkaufsflächen attraktivere Mieten herausschlagen kann. Zudem: Jede Beruhigung der Lage in Griechenland hilft dem Tourismus und damit auch den Duty-Free-Shops.

Top oder Flop?

Grundsätzlich sind die Aussichten für Dufry gut. Der Kauf der Anbieter Nuance und World Duty Free hat Dufry zum grössten Handelsunternehmen für Reisende gemacht. In den Schwellenländern, wo laufend mehr Leute Geld ausgeben können, ist das Unternehmen gut positioniert. Mit Übernahmen kann sich Durfry weiter verbessern und effizienter werden.

Allerdings bemängelt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einer Firmenanalyse, dass die Schätzunsicherheit bei Dufry "überdurchschnittlich hoch" sei. Konsensschätzungen zum Unternehmen fielen regelmässig zu hoch aus. Was Anlegern aber auch zu denken geben muss: Dufry zahlt seit längerem keine Dividenden mehr - genaugenommen seit 2009. Das Unternehmen befindet sich, was das Eigenkapital betrifft, nach wie vor in keiner ausgesprochen komfortablen Lage.