Ferrero-Deal - «Der bisher beste Deal des neuen Nestlé-Chefs»

Nestlé trennt sich für 2,8 Milliarden Franken vom US-Süsswarengeschäft. Der erzielte Verkaufserlös übertrifft selbst die kühnsten Analystenerwartungen. Dennoch reagiert die Börse eher unterkühlt auf die Neuigkeiten.
17.01.2018 11:33
Von Lorenz Burkhalter
Mark Schneider, CEO Nestlé.
Mark Schneider, CEO Nestlé.
Bild: ZVG

Seit Dezember wurde bei Nestlé auf einen unmittelbar bevorstehenden Verkauf des US-Süsswarengeschäfts spekuliert. Seit Dienstagabend ist es nun amtlich: die Geschäftsaktivitäten gehen für umgerechnet 2,8 Milliarden Franken an den italienischen Nutella-Hersteller Ferrero.

Damit erzielt Nestlé einen höheren Erlös für das US-Süsswarengeschäft als angenommen. Ursprünglich gingen Analysten von einem Verkaufspreis von 1,5 Milliarden Franken aus, als bekannt wurde, dass auch der finanzkräftige US-Rivale Hershey mitbiete, war dann von bis zu 2 Milliarden Franken die Rede.

Vorbörslich knapp ein Prozent höher gehandelt, kann die Nestlé-Aktie dieses Kursplus nicht ganz halten. An der Schweizer Börse SIX gewinnt sie zur Stunde noch 0,4 Prozent auf 82,92 Franken. Beobachter berichten von Abgaben in allen drei SMI-Schwergewichten.

Berechnungen von Alan Erskine von der Credit Suisse zufolge entsprechen die 2,8 Milliarden Franken mehr als dem Dreifachen des letztjährigen Umsatzes und gar dem 22-fachen des operativen Gewinns (EBITDA). Damit löse Nestlé mehr für das US-Süsswarengeschäft als Reckitt Benckiser damals für das Nahrungsmittelgeschäft (20-facher EBITDA) oder Unilever für das Geschäft mit Brotaufstrichen (10-facher EBITDA). Dazu komme, dass der Umsatz bei Nestlé mit Schokoriegeln wie Butterfinger, Crunch oder SweeTarts in den USA zuletzt um geschätzte 5 Prozent rückläufig war, so der Analyst. Da sein Arbeitgeber in den Verkaufsprozess involviert ist, gibt Erskine derzeit keine Empfehlung für die Nestlé-Aktie ab.

Ein wachstumsfördernder erster Schritt

Seine Berufskollegin Celine Pannuti von J.P. Morgan sieht im Verkauf des US-Süsswarengeschäfts ein erster von vielen Schritten in Richtung einer Neuausrichtung Nestlés auf wachstumsstarke Geschäftsfelder. Die Analystin begrüsst, dass dem Nahrungsmittelkonzern mit dem Verkauf dieser Geschäftsaktivitäten und der kürzlich bekanntgegebenen Übernahme der kanadischen Atrium diesbezüglich ein erster Schritt gelungen ist. Sie empfiehlt die Nestlé-Aktie wie bis anhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 97 Franken zum Kauf.

Auch für den Experten von Goldman Sachs steht der Verkauf des US-Süsswarengeschäfts an Ferrero am Anfang grösserer Veränderungen im Beteiligungsportfolio von Nestlé. Angesichts der zuletzt enttäuschenden Entwicklung in diesem Bereich erachtet er die Verkaufstransaktion als wachstumsfördernd. In Erwartung einer grundlegenden strategischen Neuausrichtung stuft der Analyst die Aktie mit "Buy" und einem 95 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel ein.

Der "bislang beste Deal" des Mark Schneider

Im hiesigen Handel heisst es hingegen, dass das US-Süsswarengeschäft gerademal vier Prozent zum in den USA erzielten Umsatz und vernachlässigbare ein Prozent zum Gruppenumsatz beigetragen habe. Es bedürfe deshalb schon weiteren Veränderungen, um den Aktienkurs zu bewegen, so lautet der Tenor.

Das hält Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank allerdings nicht davon ab, den Verkauf des US-Süsswarengeschäfts als den "bisher besten Deal" des neuen Konzernchefs Mark Schneider zu bezeichnen. Aufgrund des Bewertungsaufschlags von 32 Prozent zum langfristigen Durchschnitt und des schwierigen Branchenumfelds stuft Schwendimann die Nestlé-Aktie weiterhin nur mit "Marktgewichten" ein.