Finanzbranche - Deutsche Bank zieht in die Schlacht um Firmenkunden

«Vertrauen ist der Anfang von allem» - der Werbeslogan der Deutschen Bank ist zwar von Mitte der Neunziger, aber er passt jetzt besser als je zuvor.
24.08.2019 19:07
Am Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt (1.7.2019).
Am Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt (1.7.2019).
Bild: Bloomberg

Denn für Vorstandschef Christian Sewing hängt nun alles davon ab, ob er bei den Firmenkunden genügend Vertrauen findet für seine neue Strategie.

Punkten muss er vor allem bei den tausenden Mittelständlern, die in den vergangenen Jahrzehnten, als die Frankfurter im internationalen Investmentbanking gross werden wollten, zum Teil auf der Strecke geblieben sind. Doch der Wettbewerb in dem margenschwachen Firmenkunden-Geschäft auf dem Heimatmarkt ist knüppelhart, und niemand hat auf das Institut gewartet.

"Die Deutsche Bank hat es mit deutlich selbstbewussteren Mittelständlern zu tun als in der Vergangenheit", sagt der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven. Seit der Finanzkrise hätten die Firmen ihre Eigenkapitalbasis deutlich ausgebaut und seien unabhängiger von Krediten.

Zudem wildern neben Volksbanken, Sparkassen und der Commerzbank immer mehr Auslandsbanken wie Standard Chartered, BNP Paribas und Unicredit in dem Markt. Laut einer Studie der Investmentbank FCF Fox Corporate Finance ist der Marktanteil der Auslandsbanken seit 2014 von 8,7 Prozent auf mehr als elf Prozent gestiegen. Für die Deutsche Bank komme es nun darauf an, wie sie auf Mittelständler zugehe, erläutert Ohoven. "Ob als seriöser Partner auf Augenhöhe oder arroganter Partner."

Sewing hat versprochen, die traditionellen Werte des fast 150 Jahre alten Geldhauses wiederzubeleben, eine "neue Kultur" zu schaffen. Mit dem "Peanuts"-Image und den teuren Ausflügen ins Investmentbanking soll Schluss sein, ganze Abteilungen im Handel macht der 49-Jährige dicht, weltweit müssen 18.000 Mitarbeiter gehen. "Durch ihren Zickzackkurs in den vergangenen Jahren hat die Bank viel an Glaubwürdigkeit verloren", sagt Finanzprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. "Viele Firmen wissen gar nicht mehr, für was das Institut steht."

Auch an der Börse ist die Verunsicherung nach wie vor deutlich zu spüren: Die Deutsche-Bank-Aktie fiel vor einer Woche auf ein Rekordtief von 5,78 Euro.

«Wir wollen nachts besser schlafen»

Diskussionen um die Zukunftsfähigkeit des Instituts, steigende Refinanzierungskosten und eine Ratingkürzung durch Fitch liessen bei Unternehmen die Alarmglocken schrillen. "Natürlich ist die Deutsche Bank eine systemrelevante Bank, aber wir sehen trotzdem ein gewisses Risiko und versuchen dieses zu verringern, um nachts besser zu schlafen", sagt Dominika Kilka-Roth, Risikomanagerin beim Online-Modehändler Zalando. Überschüssiges Bargeld legt sie lieber gegen eine Gebühr bei anderen Banken oder Geldmarktfonds an, als es für umsonst bei der Deutschen Bank zu parken.

Das Gesamtvolumen der Einlagen von Grosskunden bei der Deutschen Bank ging zwischen 2015 und 2018 um acht Prozent zurück, wie aus den Geschäftsberichten des Instituts hervorgeht. Die Deutsche Bank verweist allerdings darauf, dass sie bewusst die Einlagen der Kunden reduziert habe - wegen der Negativ-Zinsen, die sie wiederum für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bezahlen müsse.

Das prestigeträchtige und lukrative Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) will die Deutsche Bank behalten, sie muss hier allerdings Gas geben. US-Rivalen wie JP Morgan und Goldman Sachs nahmen den Frankfurtern in den vergangenen Jahren die Butter vom Brot. So fand sich das Institut gemessen an den Einnahmen im deutschen M&A-Geschäft Mitte August auf dem sechsten Platz, wie aus Studien des Datenanbieters Dealogic hervorgeht. Seit 2000 war die Bank immer in den Top 5, oft auf dem Siegertreppchen.

Als der Autozulieferer ZF Friedrichshafen vor vier Jahren den US-Konkurrenten TRW schluckte, hatte die Deutsche Bank noch einen massgeblichen Anteil an der Brückenfinanzierung. Bei der milliardenschweren Übernahme des Bremsenherstellers Wabco im Frühjahr war sie dagegen bislang nicht an Bord. ZF-Finanzchef Konstantin Sauer betonte in der "Börsen-Zeitung", er würde nur ungern auf die Deutsche Bank verzichten, machte aber auch klar: "Wir würden uns wünschen, dass die Bank zu der Stärke zurückkehrt, die sie an manchen Stellen verloren hat."

«In zwölf Monaten soltle man erste Erfolge sehen»

Sewing selbst hat eingeräumt, dass das Geschäft in den Monaten vor der Ankündigung der neuen Strategie Anfang Juli gelitten hat. Davon sei nun aber nichts mehr zu spüren, versichert der Leiter des Firmenkundengeschäfts in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Michael Schleef. "Wir haben in den letzten Wochen mit tausenden Kunden gesprochen. Irgendeine Form von Verunsicherung kann ich nicht wahrnehmen."

Seit er den Bereich im Herbst übernommen habe, sei das Neugeschäft um knapp 60 Prozent auf den höchsten Wert seit zehn Jahren gestiegen. Punkten bei den Firmen wolle die Deutsche Bank mit ihrem globalen Netz, neue Standorte in Asien und Osteuropa sollen dazukommen. Auf Kampfpreise der Konkurrenten will sich Schleef nach offiziellem Bekunden nicht einlassen. "Wir weichen die Standards nicht auf. Für uns muss sich eine Kundenbeziehung rechnen, sonst machen wir es nicht."

Viel Zeit bleibt Sewing und seiner Mannschaft nicht, um das Ruder herumzureissen. Die Geduldsfäden der Grossinvestoren, die in den vergangenen Jahren Milliarden in die Bank gepumpt haben, sind strapaziert. Andreas Thomae, Portfoliomanager der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die auch Grossaktionär der Bank ist, stellt sich dennoch auf eine längere Reise ein. "In den nächsten zwölf Monaten sollte man erste Erfolge sehen, in zwei Jahren sollte dann alles auch wie geplant funktionieren."

(Reuters)

 

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