Finanzbranche - Europas Bank-Aktien im Tal der Tränen

Strafzinsen, die zunehmende Regulierung und die wachsende Furcht vor einer Rezession drücken die Aktienkurse von europäischen Banken immer tiefer.
18.08.2019 05:45
Eine Filiale der Deutschen Bank in Hamburg.
Eine Filiale der Deutschen Bank in Hamburg.
Bild: cash

Der Index für die europäischen Grossbanken stürzte am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit 2012 - als die europäische Staatsschuldenkrise ihren Höhepunkt erreichte. Der Index notiert auf dem Niveau der 1980er-Jahre. Die Deutsche Bank-Aktie fällt seit Jahresbeginn um über 15 Prozent und notiert nur noch hauchdünn über ihrem Anfang Juni - vor Bekanntgabe des Radikalumbaus - erreichten Rekordtief von 5,8 Euro. Die Commerzbank-Aktie liegt seit Jahresbeginn 16 Prozent im Minus.

Auch andere Banktitel stürzten ab. Europas Geldhäuser sind nur noch eine halbe Billion Dollar wert - nur etwa halb so viel wie Microsoft. Auf dem Höhepunkt 2007 brachten die Banken in der Euro-Zone noch 1,7 Billionen Dollar auf die Waage, deutlich mehr als ihre US-Konkurrenten. Doch das Blatt hat sich gewendet, die US-Geldhäuser sind weit enteilt und aktuell drei Mal so viel Wert wie Europas Banken.

Die Gründe für die Misere sind vielschichtig. Die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB), die sie für Einlagen bei der Notenbank zahlen müssen, machen den Banken seit Jahren zu schaffen. An den Finanzmärkten wird aktuell eine weitere Verschärfung des sogenannten Einlagesatzes auf minus 0,6 Prozent von minus 0,4 Prozent eingepreist. Zwar hat die EZB eine Entlastung etwa in Form von Staffelzinsen in Aussicht gestellt, um die Auswirkungen einer weiteren Verschärfung der Strafzinsen abzumildern. Doch unklar bleibt, inwieweit das die Schmerzen der Banken lindern kann.

Zudem kursiert die Angst vor einer Wirtschaftskrise, die auf die Banken durchschlagen könnte. Dieses Mal sei es vor allem die niedrige Rentabilität der Institute, nicht deren Solvenz, die Anlegern Sorge bereite, sagte Jerome Legras von Axiom Alternative Investments. "Das sind einfach die Folgen eines Jahrzehnts zusätzlicher Regulierung, unkonventioneller Geldpolitik und des Schuldenabbaus. Es gibt einfach nicht viele Wege für Banken, da rauszukommen."

Leichte Beute

Auf der anderen Seite strotzen die US-Wettbewerber vor Kraft. Sie profitieren von höheren Zinsen, einer besseren Kapitalausstattung und einem besseren Abschneiden im Investmentbanking. Die Aufräumarbeiten nach der Finanzkrise wurden schneller bewältigt. Zudem hat sie die europäische Staatsschuldenkrise nicht getroffen.

Der niedrige Börsenwert der Banken in der Euro-Zone mache sie zur leichten Beute für US-Wettbewerber, sagt Natixis-Analyst Patrick Artus. Wegen ihrer geringen Eigenkapital-Renditen könnten Europas Banken zudem kein frisches Kapital bei ihren Aktionären einsammeln. Weil sie nicht expandieren könnten, sinke ihre Fähigkeit, Unternehmen auf dem Kontinent zu finanzieren. Europäische Unternehmen auf der Suche nach einer Fianzierung müssten daher zunehmend den Kapitalmarkt anzapfen oder bei US-Banken oder anderen ausländischen Instituten Kredite aufnehmen, sagt Artus.

(Reuters/cash)

 

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