Finanzbranche - Fintechs schaffen Jobs und Grossbanken sparen

Während die grössten europäischen Finanzinstitute vielfach Personal einsparen und sich für den Brexit rüsten, drängt ihre neue Konkurrenz mit voller Kraft nach vorne.
13.04.2019 18:00
Das Fintech Revolut bietet attraktive Wechselkurse.
Das Fintech Revolut bietet attraktive Wechselkurse.
Bild: Revolut

Fintechs - eine breite Kategorie an Unternehmen, von mobilen Banken bis hin zu Peer-to-Peer-Kreditinstituten - haben im ersten Quartal in Grossbritannien, dem europäischen Fintech-Zentrum, offensiv eingestellt, sagt Ollie Sexton, von der Personalberatung Robert Walters. Das erfolgt auf einen Zuwachs neuer Fintech-Positionen um 61 Prozent im Jahr 2018, womit die Branche das am schnellsten wachsende Segment der Londoner Wirtschaft im Vorfeld des Brexit war. Das geht aus einem in dieser Woche von Robert Walters und Vacancysoft veröffentlichten Bericht hervor.

Im Gegensatz dazu haben Branchengrössen wie Société Générale und Nomura Holdings Tausende von Stellen gestrichen, um die Kosten zu senken. Das Wachstum zeigt, wie der Hype um die Start-Ups, die nach der Finanzkrise entstanden sind und eine Neuerfindung des Finanzsektors versprachen, nun Realität wird.

"Viele Leute sind begeistert, wie die Digitalisierung die Finanzindustrie verändern wird, und viele Fintechs, die daran arbeiten, verzeichnen ein exponentielles Wachstum", sagte Sexton aus London. "Ein grosser Teil der Arbeitssuchenden und derjenigen, die sich für neue Positionen interessieren, wollen zu Start-Ups gehen, die ein starkes Wachstum erleben, statt zu Unternehmen, die umfangreiche Entlassungen vornehmen oder eine interne Umstrukturierung durchlaufen."

Informatik anstatt Compliance

In diesem Jahr konzentrierten sich die Unternehmen auf die Tech-Seite von Fintech und stellten Entwickler und Ingenieure neu ein, statt Finanzfunktionen wie Risiko und Compliance zu stärken, sagte Sexton. Dies ist der Fall bei Starling Bank, einer in London ansässigen Digitalbank mit mehr als 400.000 Kunden. Chief Executive Officer Anne Boden sagt, das das fünf Jahre alte Unternehmen sich in einer "umfassenden Wachstumsphase" befindet und insbesondere Ingenieure neu einstellt.

"Die alten Banken können nicht mithalten", sagte Boden. "Sie kopieren immer mehr unsere Funktionalitäten, aber sie können unsere Kostenbasis nicht kopieren."

Für die Fintechs gibt es noch reichlich Spielfelder, auf denen sie sich tummeln können. In Grossbritannien gab es im vergangenen Jahr 76.500 Arbeitsplätze im Bereich Fintech. Die City of London geht für 2030 von 105.500 Beschäftigten aus. Zum Vergleich: Die Zahl für die gesamte Finanzdienstleistungsbranche beläuft sich auf 1,1 Millionen.

Brexit betrifft Alle

Natürlich sind Finanzunternehmen aller Grössen in Grossbritannien mit dem Thema Brexit konfrontiert. Fintechs müssen mehr bezahlen, um Spitzenkräfte für ein Land zu gewinnen, dessen Zukunft irgendwie in der Schwebe ist und die Gehälter für einige Spezialisten sind um bis zu 8 Prozent gestiegen, sagte Sexton.

Aber eine Expansion mit rasendem Tempo birgt eigene Gefahren, wie Fintech-'Unicorn' Revolut in einer Reihe von Fehlhandlungen zeigte, die die britische Finanzaufsicht zur Prüfung veranlassten. Die digitale Bank hat im Februar angekündigt, mehr als 200 Personen in den nächsten sechs Monaten einzustellen, da sie in ganz Europa expandieren will.

Die Anleger sind zufrieden damit, die Chancen zu nutzen, und investieren weiter in den Sektor. Die Investments in britische Fintechs stiegen der Londoner Handelsgruppe Innovate Finance zufolge im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar.

(Bloomberg)

Ausgewählte Produkte auf Societe Generale

Symbol Typ Coupon PDF
MCGJJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 13.30% PDF
MCHNJB Multi Barrier Reverse Convertible 12.00% PDF
MCGFJB Callable Multi Barrier Reverse Convertible 11.50% PDF

Investment-Ideen von Julius Bär