Finanzbranche - Goldman Sachs ist bereit für mehr Investments in deutsche Fintechs

Nachdem Goldman Sachs in den vergangenen Monaten zwei Berliner Fintechs mit frischem Kapital versorgt hat, ist die US-Bank bereit für weitere Investments in deutsche Finanz-Startups.
07.09.2019 08:03
Hauptsitz von Goldman Sachs in New York.
Hauptsitz von Goldman Sachs in New York.
Bild: Bloomberg

Das erklärte Rana Yared, Managing Director in der Sparte Principal Strategic Investments sowie Partner, in einem Interview mit Bloomberg News.

“Unsere Investitions-Pipeline für Berlin und Deutschland als Ganzes ist sehr stark”, sagte sie. Konkrete Namen wollte sie nicht nennen. “Wir sind offen dafür, mehr in deutsche Fintechs zu investieren. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, die passt, würden wir diese Gelegenheit verfolgen.”

Dabei machte sie auch deutlich, dass Investments sich nicht auf die deutsche Hauptstadt beschränken müssen. “Wir haben keine explizite Präferenz für Berlin gegenüber Frankfurt”, sagte sie. “Digital Banking scheint ein starkes Standbein in Berlin zu haben. Es ist aber auch so, dass der Kapitalmarktbereich seit jeher in Frankfurt zentriert ist. Wir sehen mehr kapitalmarktorientierte Fintechs aus Frankfurt.”

In beiden Städten hat sich ihrer Meinung nach ein Ökosystem-entwickelt, das weitere Talente anzieht.

Im Mai hatte Goldman in Elinvar investiert

Deutsche Fintechs hatten 2018 erstmals mehr als 1 Milliarde Euro von Investoren eingesammelt, belegen Daten von Barkow Consulting. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind es bereits rund 900 Millionen Euro gewesen.

Goldman Sachs hatte im Mai zunächst in den Berliner Bank-Plattform-Entwickler Elinvar investiert, der von ehemaligen Mitarbeitern der Deutschen Bank gegründet wurde. Zwei Monate später steckte die Bank 25 Millionen Euro in Raisin, Betreiber einer Plattform für Sparprodukte.

“Uns gefällt an Raisin, dass das Unternehmen ein Marktführer ist und ein hervorragendes Management-Team hat, das wir schon lange kennen. Die Firma hat ein tatsächliches Problem gelöst, anstatt ein Problem für eine Lösung zu finden”, sagte Yared.

Grundsätzlich neige das Team von Principal Strategic Investments dazu, Abstand von Unternehmen zu nehmen, die noch keine Erlöse erzielen oder kein Produkt entwickelt haben.

Langfristiger Investor

“Im Durchschnitt bleiben wir länger als fünf Jahre investiert”, erklärte sie. Das Team verstehe sich als langfristiger und engagierter Investor. Den Portfolio-Unternehmen stelle die Bank ihre eigenen Experten zur Verfügung. “Der Erfolg hängt größtenteils von der Zeit ab, die man nach einer Investition einbringt.”

Zudem warne sie junge Unternehmen stets, Geld bei einer zu hohen Bewertung der Firma aufzunehmen. Yared: “Es besteht das Risiko, dass ein Abwärtszyklus auftritt und dann eine Finanzierungsrunde zu einer geringeren Bewertungen folgt. Das hat Auswirkungen auf die Mitarbeiter und deren Moral sowie die Kunden.”

Lobende Worte fand sie für das deutsche Vorzeige-Fintech N26, das unlängst mit 3,5 Milliarden Dollar bewertet wurde. “Wir kennen N26. Wir sind sehr beeindruckt von dem Wachstum und dem Stadium, in dem sie sich befinden”, sagte sie.

(Bloomberg)