Finanzbranche - Konjunkturflaute macht Deutsche Bank wieder zum Sorgenkind

Die Konjunkturabschwächung in Deutschland hat in der Regierung von Angela Merkel wieder Besorgnis um die Zukunft der zwei grössten Banken des Landes aufkommen lassen.
29.08.2019 19:12
Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Bild: cash

Die Initiative der deutschen Regierung, die Deutsche Bank und Commerzbank zu Fusionsgesprächen zu bewegen, stiess auf eine massive Gegenreaktion und scheiterte schliesslich. Potenzielle Käufer halten sich fern. Nun gehen Berlin die Optionen ausgerechnet zu einem Zeitpunkt aus, wo eine drohende Rezession die Befürchtung aufkommen lässt, dass die deutschen Banken nicht bereit sein könnten, eine weitere Krise zu überstehen. Dies sagen zwei leitende Vertreter mit direkter Kenntnis der Position der Regierung. Das Bundesfinanzministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

Sollte die Wirtschaft in eine Rezession geraten, werden die Banken als erste betroffen sein, sagte Danyal Bayaz, Vertreter der Grünen im Finanzausschuss des Bundestags. Die Regierung könne zu diesem Zeitpunkt nicht viel mehr tun als ein fiskalpolitisches Stimulusprogramm aufzulegen, um das Rezessionsrisiko zu dämpfen, fügte er hinzu.

Der Plan, die Commerzbank mit der Deutschen Bank zu verschmelzen, sei auf Eis gelegt, aber nicht komplett fallen gelassen worden, sagte eine Person. Die Idee würde wohl wiederbelebt, wenn eine der beiden Banken vor einer realen Bedrohung ihrer Zukunft stehen würde, hiess es weiter.

Die Deutsche Bank, die einst Ambitionen hegte, ein Global Player zu werden, hat vor kurzem eine schmerzliche Umstrukturierung angekündigt, bei der ein Fünftel der Stellen gestrichen werden sollen und ein grosser Teil der Handelsaktivitäten wegfallen soll. Die erneute Fokussierung auf deutsche Exporteure kommt ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da der Handelskrieg zwischen den USA und China an Schärfe gewinnt und US-Präsident Donald Trump die deutschen Autohersteller ins Visier nimmt.

Neue Probleme im Bankensektor könnten auch ernste innenpolitische Auswirkungen haben, denn die Regierungsparteien liegen in Umfragen auf historischen Tiefs und stehen unter Beschuss von Populisten und Umweltschützern. Während die Koalition von Angela Merkel an einem seidenen Faden hängt, wären Hilfen für Banken ein Alptraum für die Kanzlerin, die ihr politisches Erbe bewahren möchte.

Olaf Scholz hat Grossteil seines politischen Kapitals aufgebraucht

In diesem Monat hat die Regierung, die den grössten Anteil an der Commerzbank hält, externen Rat zur Strategie der von Vorstandschef Martin Zielke geführten Bank eingeholt.

Der Handlungsspielraum der Regierung ist auch dadurch begrenzt, dass Finanzminister Olaf Scholz einen Grossteil seines politischen Kapitals in dem fehlgeschlagenen Fusionsversuch der beiden Banken aufgebraucht hat.

Ein Restrukturierungsplan, wie er von der Deutschen Bank präsentiert und von der Commerzbank im Herbst erwartet wird, könnte zwar die Kosten langfristig senken, aber er werde die Banken wohl kaum vor einem plötzlichen Einbruch der Wirtschaftsaktivität schützten können, sagte eine der Personen. In der Tat verlangsamt eine Restrukturierung, die mit kostspieligen Abfindungszahlungen verbunden ist, den geplanten Aufbau einer Kapitalbasis zu einem Zeitpunkt, wo die Anleger zunehmend risikoavers werden, hiess es weiter.

Der Finanzsausschuss, in dem Vertreter der Notenbank, des Finanzministeriums und der Bankenaufsicht sitzen, hat wiederholt gewarnt, dass das Rezessionsrisiko für das deutsche Bankensystem nicht unterschätzt werden sollte.

Ungünstiger Zeitpunkt

Die Abschwächung kommt für die Commerzbank und die Deutsche Bank zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Beide tun sich seit Jahren schwer, ein vernünftiges Rentabilitätsniveau zu erreichen. Bei der Deutschen Bank fällt die Restrukturierung mit einem dünnen Kapitalpolster zusammen. Ein starker Anstieg der Kreditausfälle könnte die Banken zwingen, die Risikovorsorge zu erhöhen und ihr Kapital weiter aufzubrauchen.

Bei Sondierungsgesprächen bezüglich Fusionen auf europäischer Ebene, die im Anschluss an die Fusionsverhandlungen der beiden deutschen Banken stattfanden, waren die Deutsche Bank und UBS sowie ING Groep, Unicredit und Commerzbank involviert, sie führten aber nicht zu einem Erfolg. Seitdem ist der Appetit auf M&A erheblich gesunken, die Banken verändern angesichts der Konjunkturabschwächung ihre mittelfristigen Prioritäten, sagten zwei weitere offizielle Vertreter.

Das Schicksal der deutschen Grossbanken spiegelt eine breitere Debatte wider, ob seit der Krise 2008 genügend Korrekturen im Finanzsystem vorgenommen wurden. Die Europäische Zentralbank hat im März eine Studie veröffentlicht, wonach das Geld der Steuerzahler nun besser geschützt sei als vor einem Jahrzehnt. Aber trotz erheblicher Verbesserungen sei die Arbeit der Aufseher noch nicht vollendet, hiess es.

Der in Basel beheimatete Financial Stability Board hat eine eigene Untersuchung in Auftrag gegeben, die von Bundesbank-Vize-Präsidentin Claudia Buch geleitet wird. Diese soll Ende 2020 veröffentlicht werden.

(Bloomberg)