Finanzindustrie - US-Banken: Rückkehr der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz gestaltet sich schwierig

Die grossen US-Banken bereiten die Besetzung von Büros mit nur einem Bruchteil der üblichen Personalstärke vor. Vieles soll in die Vorstädte ausgelagert werden.
24.05.2020 04:30
Die grossen US-Banken bereiten die Besetzung der Büros vor: Social Distancing bleibt.
Die grossen US-Banken bereiten die Besetzung der Büros vor: Social Distancing bleibt.
Bild: imago images / phototek

Einige verlagern Mitarbeiter in Aussenstellen in den Vororten und bei einigen arbeiten die Banker auf unbestimmte Zeit von zu Hause aus.

JPMorgan  geht davon aus, dass ihre Büros in “absehbarer Zukunft” nur zur Hälfte besetzt sein werden und Goldman Sachs eröffnet das Pariser Büro mit maximal 20 Prozent der an einem Tag zugelassenen Mitarbeiter. Die Citigroup erwägt die Anmietung von Büros in New Jersey und den New Yorker Vororten Westchester County und Long Island.

Banken feilen an Plänen

Die weltweit grössten Banken feilen an Plänen, wie ihre Mitarbeiter am besten wieder sicher ins Büro gebracht werden können, wenn die Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus aufgehoben werden. Bestehende Bürokonfigurationen sind schlecht geeignet, um die Abstandsregeln für Arbeitnehmer zu erfüllen, und vollgestopfte Nahverkehrssysteme funktionieren nicht für Personen mit langen Wegen zur Arbeit.

"Es ist sehr schwer vorstellbar, dass eine grosse Anzahl von Menschen in diese Hochhäuser in Manhattan zurückkehrt, wo sie möglicherweise ein paar Stunden warten müssen, um den Aufzug zu nehmen”, sagt Darin Buelow, Direktor bei Deloitte Consulting und Leiter des globalen Standortstrategie-Geschäft des Unternehmens, in einem Interview.

Bei JPMorgan werden einige Mitarbeiter künftig an anderen Schreibtischen und in einigen Fällen in anderen Etagen sitzen - denn bei der Rückkehr ins Büro sollen flexible Sitzordnungen festgelegt werden. Dies geht aus einem internen Memo hervor, das am Mittwoch an Mitarbeiter in der Region Europa, Naher Osten und Afrika gesendet wurde. Ähnliche Mitteilungen erhielten auch die US-Arbeitnehmer, die nicht in Filialen arbeiten, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte.

Plan für Frankfurt

Neben Paris eröffnet Goldman Sachs auch Aussenposten in Frankfurt wieder, wo die 300 Mitarbeiter in drei Gruppen aufgeteilt wurden, die zwischen dem Home Office und zwei Gebäuden in der Stadt wechseln können. Die Büros der Bank in Madrid, Tel Aviv, Warschau, Stockholm, Mailand und Dublin werden ebenfalls wieder in Betrieb genommen und führen jeweils neue Sicherheitsrichtlinien ein.

Die Mitarbeiter müssen zwei Meter von Kollegen im Büro entfernt sein. Konferenzräume können nur von einer Person genutzt werden. Die Bank hat auch Arbeitsplätze vergrössert, die Aufzugskapazität reduziert und Besucher- und Kundenbesprechungen verboten.

“Die Rückkehr ist in keiner Weise obligatorisch und jeder wird ermutigt, eine für ihn geeignete Lösung zu wählen”, sagte das Unternehmen in einem internen Memo, in das Bloomberg Einblick hatte.

Getrennte Ein- und Ausgänge

Massnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer werden auch im Londoner Finanzviertel Canary Wharf umgesetzt, in dem sich die Europa-Zentralen von Banken wie HSBC, Barclays und JPMorgan befinden. Der Vermieter, der den Bezirk betreibt, sagte letzte Woche, dass zurückkehrende Banker sich auf getrennte Ein- und Ausgänge und nicht mehr als sechs Personen in einem Aufzug einstellen sollten.

In der Region New York beobachten Immobilienmakler und Vermieter mit Büros in den Vororten ein steigendes Interesse der Finanzbranche sowie von Medien- und Technologieunternehmen sowie Anwaltskanzleien.

Rubenstein Partners, das Büroflächen im Norden von New Jersey und in Stamford, Connecticut, besitzt, hat Anfragen zu mehreren hunderttausend Quadratmetern Bürofläche erhalten, hauptsächlich von in New York ansässigen Unternehmen, berichtet Brandon Huffman, ein Manager des Unternehmens.

In Kartons versiegelt

“Es gibt eine überwältigende Anzahl von Mitarbeitern, die öfffentliche Verkehrsmittel benutzen muss, um in die Stadt zu kommen”, sagte er. “Niemand weiss, wie das in einer Welt mit sozialer Distanzierung funktionieren wird.”

Diejenigen, die zurückkehren, werden Arrangements vorfinden, wo viele persönliche Details fehlen, die dazu beigetragen haben, ihren Arbeitsplatz persönlicher zu gestalten. JPMorgan hat die persönlichen Gegenstände der Mitarbeiter in Kartons versiegelt, wie aus einer internen Mitteilung der US-Bank hervorgeht, die Bloomberg vorliegt. Damit sollen die Schreibtische für die gemeinschaftliche Nutzung vorbereitet werden, sobald die Lockdowns wegen der Coronavirus-Pandemie wieder gelockert werden.

Bargeldloses Bezahlen und abgepackte Mahlzeiten

Cafeterien werden auch anders aussehen: Weniger Sitzplätze, bargeldloses Bezahlen und abgepackte Mahlzeiten ersetzen Buffets und andere Selbstbedienungsoptionen.

“Während wir uns auf diesen Umfang an flexiblen Arbeitsplätzen vorbereiten und Richtlinien für alle Bereiche zusammenstellen, die effektiv gereinigt und desinfiziert werden sollen, haben wir begonnen, alle Schreibtischoberflächen und Bodenbereiche von persönlichen und geschäftsbezogenen Elementen zu befreien“, so JPMorgan in dem Schreiben. “Wir wissen, wie wichtig Ihnen diese Gegenstände sind, und werden weiterhin alle Anstrengungen unternehmen, um sie mit Sorgfalt zu behandeln.”

(Bloomberg)