Finanzinstitut - Aktie der Deutschen Bank auf Rekordtief

Die Deutsche Bank will Insidern zufolge beim kostspieligen Umbau ihres Investmentbankings eine Kapitalerhöhung vermeiden.
29.05.2019 20:29
Filiale der Deutschen Bank in Hamburg.
Filiale der Deutschen Bank in Hamburg.
Bild: cash

Die Bank versuche alles, um die leidgeprüften Investoren nicht erneut um Milliarden bitten zu müssen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Handelsblatt" berichtete am Dienstag online, die Bank ziehe dabei auch einen niedrigeren Kapitalpuffer in Erwägung. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Zuletzt lag die harte Kernkapitalquote der Deutschen Bank mit 13,7 Prozent deutlich über den Vorgaben der Aufsicht: Die EZB verlangt ein Kapitalpolster von 11,82 Prozent, durch den demnächst geltenden antizyklischen Kapitalpuffer dürfte die Anforderung minimal steigen. Bisher hat die Bank stets erklärt, ein Kapitalquote von mehr als 13 Prozent halten zu wollen. Laut "Handelsblatt" könnte sie sich aber von diesem Ziel verabschieden.

Aktie fällt auf Rekordtief

Bei einem Eigenkapital von zuletzt 63 Milliarden Euro, über das die Bank Ende 2018 verfügte, könnte ein derartiger Schritt Milliarden für den Umbau des Instituts freisetzen. Allerdings haben die Aufseher dabei ein gewichtiges Wort mitzureden: Sie verlangen, dass die Banken ihre Kapitaldecken nicht auf Kante nähen. Wie viel Geld die Deutsche Bank für den Umbau zur Verfügung hat, hängt daher auch von ihren Entscheidungen ab.

Die Aktionäre erneut um Geld zu bitten, dürfte schwierig werden. In den vergangenen Jahren hat die Bank bei mehreren Kapitalerhöhungen über 30 Milliarden Euro eingesammelt. Doch für die Anleger hat sich das Investment nicht gelohnt: Die Aktie ist seit Jahren auf Talfahrt und fiel am Mittwoch auf ein Rekordtief von 6,12 Euro.

«Harte Einschnitte»

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte vergangene Woche auf der Hauptversammlung harte Einschnitte angekündigt. Die Investmentbank müsse mehr auf ihre Stärken ausgerichtet werden, hatte der 49-Jährige erklärt und Einschnitte im Aktienhandel und im Handel mit Staatsanleihen angedeutet. Auch bei Dienstleistungen für Hedgefonds dürfte Insidern zufolge erneut der Rotstift angesetzt werden.

Doch bislang hat sich die Deutsche Bank nicht dazu geäussert, wie teuer das wird und in welchen Bereichen wie stark gekürzt werden soll. Insidern zufolge sollen Details im Sommer präsentiert werden. Die Bank erklärte am Dienstag lediglich, der Vorstand werde Mitarbeiter, Aktionäre und die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren. Solange werde das Geldhaus etwaige Spekulationen nicht kommentieren.

Bei der Vorstellung der Umbaupläne werde die Bank voraussichtlich auch Veränderungen im Vorstand bekanntgeben, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Tage von Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Investmentbankchef Garth Ritchie, die von den Aktionären auf der Hauptversammlung nur mit 61 Prozent entlastet wurden, seien gezählt.

(Reuters)

 
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