Finanzinstitut - Deutsche Bank will mehr reiche Kunden in Europa ködern

Die Deutsche Bank schiebt zwar gerade einen kräftezehrenden Umbau an, will im Geschäft mit vermögenden Privatkunden in Europa aber trotzdem angreifen.
10.07.2019 19:17
Sommerliche Abendsonne in Frankfurt, Blick auf die Bürotürme der Deutschen Bank.
Sommerliche Abendsonne in Frankfurt, Blick auf die Bürotürme der Deutschen Bank.
Bild: cash

Wachstum erhoffe sich das Institut bei Unternehmern und reichen Familien in den Kernmärkten Deutschland, Italien, Grossbritannien und Spanien sowie in Osteuropa, sagte Deutsche-Bank-Manager Claudio de Sanctis in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Gelingen soll das über die Einstellung neuer Kundenberater - und in einigen Jahren möglicherweise auch über Zukäufe.

De Sanctis ist im Dezember vergangenen Jahres zur Deutschen Bank gestossen und leitet das Geschäft mit reichen Privatkunden in Europa. Zudem ist er Chef der Deutsche Bank Schweiz. Zuvor war er nach Stationen bei internationalen Grossbanken und der UBS bei der Credit Suisse für das Europageschäft verantwortlich. Die Ankündigung der Deutsche-Bank-Spitze, die Investmentbank deutlich zu verkleinern, dürfte sich nach Einschätzung des Managers nicht merklich auf das Vermögensverwaltungsgeschäft auswirken.

"Ich erwarte, dass wir eine Investmentbank haben werden, die sehr wettbewerbsfähig bleibt für alles, was unsere Vermögensverwaltungs-Kunden in Europa brauchen", sagte de Sanctis. Der US-Aktienhandel etwa, den die Deutsche Bank aufgeben will, sei typischerweise nicht sehr bedeutend für das Geschäft mit reichen Privatkunden in Europa. Diese seien vielmehr an festverzinslichen Anlagen und Fremdwährungs-Investitionen interessiert. "In diesen Bereichen werden wir wichtige Wettbewerber bleiben."

Am Wochenende hatte die Deutsche Bank den grössten Stellenabbau ihrer Geschichte angekündigt: Weltweit fallen 18.000 Jobs weg. Die Investmentbank wird radikal zurückgebaut und im Handel verschlankt, künftig stehen klassische Dienstleistungen für Unternehmenskunden im Fokus.

Kunden vertrauen Deutscher Bank wieder Geld an

Das Geschäft mit reichen Privatkunden hat die Deutsche Bank neben dem Zahlungsverkehr als Wachstumsfeld definiert. "Das ist vielleicht nicht so bekannt, aber wir sind bereits unter den grössten Vermögensverwaltern in Europa", sagte de Sanctis. Das in der Region verwaltete Vermögen legt die Deutsche Bank nicht offen. Nach Einschätzung der Berater von Boston Consulting hat das Finanzvermögen der Westeuropäer insgesamt ein Volumen von 44 Billionen Dollar - der zweitgrösste Markt nach Nordamerika mit 90 Billionen Dollar.

Zuletzt hatte das Institut eher damit zu kämpfen, dass verunsicherte Kunden angesichts der anhaltenden Negativschlagzeilen Gelder abgezogen hatten. Im laufenden Jahr sei jedoch die Trendwende geschafft, sagte de Sanctis. Sein Haus habe wieder neue Gelder von der Kundschaft einsammeln können. Gelungen ist das unter anderem mit neuen Kundenberatern, die die Deutsche Bank von der Konkurrenz abgeworben hat. Denn wenn sie den Arbeitgeber wechseln, folgt ihnen üblicherweise auch ein Teil ihrer Klientel. Zukäufe strebt de Sanctis erst in einigen Jahren an. "Mein Zugang ist, dass wir in den nächsten zwei bis drei Jahren beweisen, dass wir organisch wachsen können. Wenn wir diese Glaubwürdigkeit haben, dann werden wir möglicherweise Zukäufe erwägen."

Neben Deutschland, Italien, Grossbritannien und Spanien erhofft sich die Deutsche Bank auch Neukunden aus EU-Ländern in Osteuropa wie Polen, Tschechien, Ungarn oder Rumänien. "Wir sind als Unternehmensbank in diesen Ländern sehr präsent." In der Vermögensverwaltung habe die Deutsche Bank ihr Potential aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Gebucht werden die Gelder aus Osteuropa bei der Deutschen Bank in Luxemburg.

In der Schweiz will das Institut international vernetzte Familien als Kunden gewinnen, die ihren Wohnsitz in der Alpenrepublik haben. Zudem verwaltet die Deutsche Bank in der Schweiz Gelder von reichen Kunden aus Schwellenländern wie dem Nahen Osten, Lateinamerika, der Türkei und Israel - die für ihr Vermögen einen sicheren Hafen suchen. Auch hier erhofft sich de Sanctis anziehende Geschäfte.

(Reuters)

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