Finanzmärkte - Investoren weltweit wetten zunehmend gegen Notenbanken

Anleiheinvestoren wetten weltweit gegen die zunehmend aggressiver werdende Stimulus-Politik der Zentralbanken zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstum.
02.10.2019 19:05
Investoren sehen immer mehr Risiken.
Investoren sehen immer mehr Risiken.
Bild: ©kebox/Fotolia.com

Auf dem Optionsmarkt haben Geschäfte, die Gewinne abwerfen, wenn die Inflation unter 1 Prozent - und sogar unter 0 Prozent - fällt, zugenommen. Fondsmanager kaufen Staatsanleihen, unbeeindruckt von den negativen Renditen. Sie halten auch Bargeld, was Flexibilität im Falle eines Konjunkturrückgangs bietet. Der Rückgang eines US-Indikators für das verarbeitende Gewerbe auf das schwächste Niveau seit dem Ende der letzten Rezession lässt vermuten, dass dies eher früher als später eintreten könnte.

Diese so genannten Deflations-Transaktionen könnten in den Tagen um eine der ersten wichtigen Datenveröffentlichungen für das vierte Quartal noch beliebter werden: Den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Dies könnte an den Märkten, wo es ohnehin keine Knappheit an Risikofaktoren gibt, eine verunsicherte Stimmung für den weiteren Jahresverlauf bringen. Erst am Dienstag zeigten Daten eine Verlangsamung der Inflation im Euroraum und den ersten Rückgang der Konsumentenpreise in Südkorea.

“Beim ersten Anzeichen einer Veränderung auf dem Arbeitsmarkt werden wir und der Markt Rezession schreien”, sagte Russell Silberston, ein Vermögensverwalter bei Investec Asset Management, der eine Übergewichtung bei Bargeld hat. “Wir gehen ein sehr geringes Risiko ein, weil der Weg so unklar ist.”

Tiefe Inflationserwartungen

In Europa sank eine Messgrösse für die Inflationserwartungen der Märkte in bis zu zehn Jahren - der 5J-5J-Inflationsswapsatz - auf 1,16 Prozent. Damit liegt dieser knapp über dem Rekordtief von 1,13 Prozent, das zu Beginn dieses Jahres zu verzeichnen war, und bleibt weit hinter dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von nahe, aber unter 2 Prozent zurück. Die annualisierte Inflationsrate für die Region im September war enttäuschend und fiel zum ersten Mal seit 2016 unter 1 Prozent.

In den USA erreichten die Inflationserwartungen, gemessen an den 10-Jahres-Break-Even-Raten, am Montag den niedrigsten Stand seit 2016. Die Staatsanleihen holten am Dienstag frühere Verluste auf, nachdem der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im September auf 47,8 gesunken war, den niedrigsten Stand seit Juni 2009. Die zehnjährigen Renditen liegen aktuell bei 1,63 Prozent, damit mehr als 100 Basispunkte unter dem Niveau zu Jahresbeginn.

Eine am Montag veröffentlichte Prognose von Fitch Ratings, wonach das weltweite Wachstum 2020 auf ein Acht-Jahres-Tief fallen wird, signalisierte auch einen Mangel an Dynamik für die Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Zuvor hatten bereits hochrangige geldpolitische Entscheidungsträger und Politiker lautstarke Zweifel an der Kapazität der Geldpolitik geäussert, was die Resonanz verstärkte. In Deutschland senkten die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstituteihre Prognose für das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr am Mittwoch.

Mario Draghi, der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank, forderte Fiskalimpulse für Europa. In den USA kommt anhaltende Kritik an Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank Federal Reserve, von US-Präsident Donald Trump.

US-Arbeitsmarktdaten am Freitag werden klare Richtung vorgeben

Nach einer uneinheitlichen Zahlenlage in Europa könnten die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag eine klarere Richtung vorgeben. Während die Arbeitslosigkeit in Deutschland überraschend gesunken ist, verfehlten Inflationsdaten dort und aus Spanien die Prognosen. Beim ISM ist die Beschäftigungskomponente auf den niedrigsten Stand seit Januar 2016 gesunken.

Vor der endgültigen Veröffentlichung des Arbeitsministeriums erwarten von Bloomberg befragte Ökonomen, dass im September in den USA 147.000 Arbeitsplätze ausserhalb des Agrarsektors geschaffen wurden. Die Arbeitslosenquote wird voraussichtlich bei 3,7 Prozent liegen, während die durchschnittliche Wachstumsrate der Stundenlöhne im Jahresvergleich mit 3,2 Prozent ebenfalls unverändert bleiben dürfte.

Die Commerzbank sieht ein sich vertiefendes Gefühl von Pessimismus. “Der anhaltende Druck auf Break-Evens sowohl in Euro als auch in Dollar, zeigt Anzeichen für einen Wechsel von Lowflation zu Deflationsabsicherung”, sagte Michael Leister, Leiter Zinsstrategie bei dem deutschen Kreditinstitut.

(Bloomberg)

 
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