Finanzmärkte - Unzählige Sorgenfalten für Investoren

Für Anleger wird die Liste der Unwägbarkeiten derzeit immer länger: Eine Übersicht.
16.04.2017 08:06
Kann sich Emmanuel Macron an den französischen Präsidentschaftswahlen durchsetzen?
Kann sich Emmanuel Macron an den französischen Präsidentschaftswahlen durchsetzen?
Bild: Bloomberg

Wie schneidet Marine Le Pen in den Umfragen zu den französischen Präsidentschaftswahlen ab, kann US-Präsident Donald Trump sein Wahlversprechen einer Unternehmenssteuerreform umsetzen, wie tief verstricken sich die USA in die Wirren des syrischen Bürgerkriegs, welche Kollateralschäden verursachen die Brexit-Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der EU und wie reagiert das Regime in Pjöngjang auf einen US-Flugzeugträger vor der Küste der koreanischen Halbinsel? Und damit erhebt diese Liste noch nicht einmal Anspruch auf Vollständigkeit.

Gleichzeitig neigen sich die quantitativen Lockerungen der Zentralbanken, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder als Stützen der Kapitalmärkte erwiesen haben, womöglich in nicht allzu ferner Zukunft dem Ende entgegen. Von einer Panik an den Aktien- oder Anleihemärkten kann zwar derzeit noch lange nicht die Rede sein. Trotzdem hatten Indizes wie der Dax zuletzt nicht mehr die Kraft für ein neues Allzeithoch, die Zins-Spreads weiteten sich aus und die Kosten für Absicherung gegen mögliche Kursrückgänge stiegen quer über die Asset-Klassen hinweg. Diese zunehmende Verunsicherung spiegelt sich auch in einem Index wider, der von den Ökonomen Scott R. Baker, Nick Bloom und Steven J. Davis konzipiert wurde.

Index ökonomisch-politische Unsicherheit für Europa, Quelle: FRED, Stand 12. April 2017

Der Index misst auf monatlicher Basis die relative Anzahl an Zeitungsartikeln, die ökonomisch-politische Unsicherheiten thematisieren. In dem global zusammengestellten Index finden neben den Industrienationen auch Schwellenländer wie Brasilien und Chile Berücksichtigung. Die Länder werden dabei nach ihrem jeweiligen BIP gewichtet. Der seit 1997 ermittelte Index befindet sich derzeit auf historischen Höchstwerten und liegt damit deutlich über bisherigen "Unsicherheits-Ereignissen", wie den Anschlägen vom 11. September oder der Bankenkrise des Jahres 2008.

An den Devisenmärkten ist in den vergangenen Tagen eine Zunahme der impliziten Volatilitäten zu verzeichnen gewesen. Dabei überstieg die vom Markt verlangte "Risikoprämie" die historisch realisierten Volatilitäten deutlich. Die aktuelle Zunahme ist grösser als die Ausschläge im Vorfeld vergangener Ereignisse und hat den Wert auf ein Niveau nahe dem Zehn-Jahres-Hoch aus 2008 gehoben.

Sollte die erste Wahlrunde in Frankreich eine Überraschung mit sich bringen, könnte rasch die Diskussion über den Anfang vom Ende der EU die Schlagzeilen beherrschen und damit einmal mehr auch der Euro in Frage gestellt werden. Absicherungen gegen einen Wertverlust der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar wären dann gesucht und Markteilnehmer würden so die impliziten Volatilitäten auf neue Hochs treiben.

Hohe Zinsunterschiede bei Anleihen

Auch die Akteure an den Anleihemärkten scheinen die Sorge vor einem ungeliebten Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen zu teilen. Der Zinsunterschied von 2-jährigen OATs zu deutschen Schätzen ist auf den höchsten Wert seit 2012, dem Jahr der letzten Präsidentschaftswahl gestiegen. Damals erreichte Marine Le Pen in der ersten Runde ein Ergebnis von 17,9 Prozent der Stimmen. In der jüngsten Umfrage des Ifop vom Montag erreichte sie 24,5 Prozent, würde aber in Runde zwei mit 58 zu 42 Prozent gegen Emmanuel Macron verlieren.

Der Euro Stoxx 50 reagierte auf die jüngsten Unsicherheitsfaktoren zwar mit leichten Kursabschlägen, bleibt dessen ungeachtet aber nur weniger als ein Prozent unter seinem Jahreshoch. Händler nutzten im April vermehrt die historisch niedrigen Volatilitätsniveaus und sicherten sich gegen mögliche Kursrückgänge ab. Folglich stieg der Preis für Put-Optionen auf den Euro Stoxx 50 gegenüber Calls und befördert den 90/110 Skew auf den höchsten Stand seit dem Brexit-Referendum 2016.

(Bloomberg/cash)