Finanzplatz Schweiz - Schweizer Privatbanken kommen nicht aus dem Tief

Den Schweizer Privatbanken geht es schlechter als landläufig erwartet. Die wichtigsten Kennzahlen, wie beispielsweise das Aufwand-Ertrags-Verhältnis, weisen auf eine anhaltend schlechte Lage der Institute hin.
07.09.2017 12:29
Blick auf Genf, dem Finanzzentrum der welschen Schweiz.
Blick auf Genf, dem Finanzzentrum der welschen Schweiz.
Bild: Pixabay

Das ist der harte Befund einer am Donnerstag veröffentlichten und vom Beratungsunternehmen KPMG in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen erstellten Studie. Erfreulich entwickelt haben sich einzige kleine Nischenanbieter.

Wie jedes Jahr hat KPMG gemeinsam mit der Universität St. Gallen auch 2016 über 80 in der Schweiz tätige Privatbanken auf ihre Rentabilität, ihr Wachstum und Kosteneffizienz hin untersucht. Der Befund ist eindeutig ausgefallen: Grundsätzlich weisen die wichtigsten Branchenkennzahlen auf eine anhaltend schlechte Lage hin.

Operative Marge weist nach unten

So erreichte beispielsweise das Aufwand-Ertrags-Verhältnis der Privatbanken mit einem Median von 84,4% den höchsten und damit schlechtesten Stand der letzten sieben Jahre. Trotz Kostensenkungsprogrammen sei es den privaten Geldinstituten nicht gelungen, die Kosten genügend schnell zu senken, um mit einer rascher sinkenden Ertragsbasis mitzuhalten, halten die Autoren der Studie fest.

Und auch die sogenannte "Operating Income Margin" (Verhältnis zwischen dem Ertrag einer Bank und den durchschnittlichen verwalteten Vermögen) der in der Schweiz tätigen Privatbanken fiel 2016 mit einem Medianwert von 89 Basispunkten auf den tiefsten Stand überhaupt. Dies sei hauptsächlich dem niedrigeren Nettokommissionsertrag infolge deutlicher Zurückhaltung der Kunden sowie einem stärkeren Wettbewerb zuzuschreiben, heisst es weiter. 2010 lag der Median noch bei 108 Basispunkten.

Auch der Zinsertrag war rückläufig, konnte sich im Jahresverlauf 2016 allerdings wieder erholen dank der Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte durch die US-Notenbank im Dezember 2015.

Eigenkapitalrendite nicht verbessert

"Die Privatbanken haben es auch 2016 nicht geschafft, die Eigenkapitalrenditen zu verbessern", schreiben die Autoren. Der betreffende Medianwert beläuft sich für das vergangene Jahr auf lediglich 4,1% und entspricht nahezu dem Niveau der Vorjahre. Damit liegt die Eigenkapitalrendite weiterhin deutlich unter den Schätzungen von Marktanalysten von 7 bis 10%.

Betrachtet man die Summe der verwalteten Vermögen, kam es 2016 erstmals in den vergangenen sechs Jahren zu einem Nettoabfluss von 43 Mrd CHF. Dies entspricht per 31. Dezember 2016 3% des verwalteten Vermögens aller untersuchten Institute.

Zuzuschreiben ist dieser Vermögensabfluss gemäss Mitteilung vorwiegend grossen sowie mittelgrossen Geldinstituten, die ihre Kernkundensegmente neu ausgerichtet und Nicht-Kernkundensegmente sehr konsequent und rasch abgebaut haben. Das am 1. Januar 2017 in Kraft getretene Bundesgesetz über den internationalen Automatischen Informationsaustausch (AIA) dürfte neben strategischen Überlegungen mit ein wichtiger Grund für diese Entschlossenheit gewesen sein, heisst es weiter.

Verlangsamt hat sich im letzten Jahr auch der Konsolidierungsprozess in der Branche. Elf Transaktionen (VJ 15) wurden verzeichnet, davon lediglich zwei (VJ 9) betrafen Übernahmen zwischen Schweizer Privatbanken.

Konsolidierung verlangsamt sich

Vor allem kleinere Institute waren von den Umwälzungen stark betroffen: 80% (41 von 51) der in der Schweiz tätigen Privatbanken, die in den letzten Jahren vom hiesigen Markt verschwunden sind oder sich zurückgezogen haben, zählen zu den kleinen Geldhäusern. Der Medianwert der Eigenkapitalrendite in der Gruppe der sogenannten "Weak Performer", also der Gruppe der schwächsten Privatbanken, lag 2016 bei -9%. Davon sind 83% kleine Privatbanken. Die Studienautoren erwarten deshalb, dass weitere kleine Privatbanken verschwinden werden.

Einziger Lichtblick ist, dass sich vereinzelte kleine Nischenanbieter erfolgreich entwickelten. Ende 2016 machten diese nahezu die Hälfte der sogenannten "Strong Performer" aus.

(AWP)