Finanzprodukte - Leonteq-CEO: «Ich selber bin auch enttäuscht»

Gewinneinbruch, Sparprogramm, Absturz des Aktienkurses, Spekulationen wegen CEO-Rücktritt: Jan Schoch, Chef des Derivate-Anbieters Leonteq, stellt sich im Video-Interview den Fragen von cash.ch
09.02.2017 16:37
Von Daniel Hügli
Jan Schoch, CEO von Leonteq, im Video-Interview mit cash.ch.
Bild: cash

Die Finanzprodukt-Anbieterin Leonteq tritt nach Jahren des Fahrens eines Expansionskurses und der Verbreitung von Optimismus auf die Bremse - vielleicht gar auf die Notbremse. Das im November vorgestellte Sparprogramm wird noch einmal ausgeweitet, wie Leonteq am Donnerstag bekanntgab. Das Jahresergebnis 2016 vermochte nach der Gewinnwarnung im Dezember auch nicht mehr zu überraschen. Weil Leonteq im zweiten Halbjahr 2016 20 Millionen Franken Verlust schrieb, resultierte für das Gesamtjahr noch ein Reingewinn von 17 Millionen Franken. Die Dividende wird gestrichen.

Leonteq hat nun zusätzliche Einsparungen von 18 Millionen bekannt gegeben. Diese kommen zu dem im vergangenen November angekündigten Kostensenkungsprogramm über 10 Millionen Franken und dem Abbau von 50 Vollzeitstellen dazu. 

"Ob die Kostensenkungsmassnahmen ausreichen, wissen wir nicht. Wir werden die Situation genau beobachten", sagt Leonteq-CEO Jan Schoch im Video-Interview mit cash.ch am Rande der Bilanzmedienkonferenz in Zürich. "Es ist möglich, dass 2017 ein Verlust anfällt".

Die Aktie von Leonteq reagiert an der Börse mit Abschlägen. Der Titel fällt am Donnerstag um bis 8 Prozent auf 33.50 Franken, dem Stand von Juli 2013. Es ist ein weiterer Fall des einstigen Börsenstars Leonteq. Der Aktienkurs erreichte, getrieben vom Expansionskurs des Unternehmens, im August 2015 den Rekordstand von 233 Franken. Seither hat der Titel fast 90 Prozent verloren.

"Es ist kein Panikmodus"

Angesprochen auf den Kollaps des Aktienkurses in den letzten eineinhalb Jahren sagt Schoch, der die Firma 2007 mitgegründet hatte: "Ich bin selber enttäuscht. Ich verstehe jeden Anleger, aber auch jeden Mitarbeiter, jeden Kunden und Partner, der enttäuscht ist."

Ausgelöst hat der Kurssturz der Aktie vor allem ein massiver Vertrauensverlust als Folge einer ungeschickten Kommunikation mit den Stakeholdern, was Zweifel aufkommen liess, ob Leonteq den Überblick über die Kostenentwicklung und den Geschäftsverlauf noch hat. Am 16. November zum Beispiel wurde am Investorentag die Leonteq-Erfolgsstory vorgetragen, vier Wochen später veröffentlichte das Unternehmen dann eine Gewinnwarnung. Oder: Ende September, als die Firma schon angeschlagen war, wurde die Geschäftsleitung noch massiv ausgebaut, jetzt nun wird sie von elf auf sechs Mitglieder verkleinert. Ist Leonteq in Panikstimmung?

"Es ist kein Panikmodus", sagt Schoch, der selber mit 7 Prozent am Unternehmen beteiligt ist. "Es ist eine neue Führungsstruktur, die angepasst wurde auf die neue Grösse." Leonteq habe nun Massnahmen auf Umsatz- und Kostenlinien getroffen. Es werde aber Zeit brauchen, bis diese implementiert seien. "Und daher wird 2017 nochmals ein schwieriges Jahr werden", sagt Schoch.

Neben dem Sparkurs will die Firma auch ertragsseitig zulegen. Erreicht werden soll dies über eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern sowie die Anbindung neuer Partner. Zudem will sich das Unternehmen stärker auf höhermargige Produkte fokussieren. Das Unternehmen konnte am Donnerstag mit der französischen Crédit Agricole einen neuen Partner präsentieren.

Schoch will am Ruder bleiben

Schoch will die Firma weiter leiten, obwohl Spekulationen aufgekommen waren, dass Aktionäre den Rücktritt des CEO fordern. "Es ist nicht das Richtige zu diesem Zeitpunkt", sagt Schoch zur Frage von cash, ob er in den letzten Wochen an einen Rücktritt gedacht hat. "Ich bin voll 'committed', für diese Firma weiterzuarbeiten. Und wir werden die Firma zurück auf Kurs bringen, davon bin ich überzeugt."

Mit Schoch kam auch Verwaltungsratspräsident und ex-Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz in den letzten Monaten in die Kritik. Raiffeisen hält 29 Prozent an Leonteq. Vincenz räumte an der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag in Zürich Fehler ein: Man habe die Herausforderungen nicht realistisch eingeschätzt und zu lange am Expansionsszenario festgehalten. Vincenz verzichtet auf einen Drittel der für ihn vorgesehenen Entlöhnung und erhält noch 497'000 Franken. Allerdings wurde seine Vergütung im letzten Jahr fast verdoppelt.