Finanzregulierung - Resarch-Firmen geraten durch MiFiD unter Druck

Unabhängige Research-Firmen geraten duch die neue EU-Finanzmarktreguierung MiFID II unter Druck. Sie fordern nun Hilfe von den Aufsichtsbehörden.
29.10.2017 22:19
Research-Produkte geraten unter Preisdruck.
Research-Produkte geraten unter Preisdruck.
Bild: ©Sergey Yarochkin/Fotolia.com

Die europäischen Finanzaufsichtsbehörden müssen unabhängigen Research-Anbietern helfen, der neuen Konkurrenz durch Banken angesichts eines sich abzeichnenden Marktumbruchs zu begegnen, fordert ein Verband für unabhängige Analyse-Unternehmen.

Manche Anbieter "werden wohl nicht überleben, auch wenn ihr Research gut ist", sagte Chris Deavin, der Vorsitzende des Europäischen Verbands unabhängiger Research-Anbieter. Denn Banken und Brokern wird gestattet sein, die Preise zu senken, indem sie interne Analystenabteilungen subventionieren. Es könnten deshalb Aufsichtsmassnahmen erforderlich sein, um einen fairen Wettbewerb im Rahmen der überarbeiteten Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente oder MiFID II zu gewährleisten, sagte er in einem Interview mit Bloomberg.

Dem Research-Markt stehe mindestens ein Jahr mit Verwerfungen bevor, sagte Deavin. Die Branche passe sich an Banken an, die Gebühren für Dienstleistungen einführen, die sie den Kunden in der Vergangenheit kostenlos zur Verfügung gestellt haben. Die ab 3. Januar geltenden aufsichtsrechtlichen Änderungen der Europäischen Union verursachen Preisdruck: Vermögensverwalter überdenken, wie sie Research-Budgets zuweisen, die zuvor nur für Dienstleistungen von unabhängigen Anbietern ausgegeben wurden.

"Kurzfristig bedeutet das definitiv Turbulenzen", sagte Deavin. Trotzdem könne MiFID für unabhängige Unternehmen längerfristig positiv sein, da Vermögensverwalter selektiver in Bezug auf die Research-Auswahl werden, sagte er.

Unabhängigkeit vom Handelsgeschäft

Eigenständige Research-Anbieter werden in der Lage sein, mit grösseren Banken zu konkurrieren, indem sie ihre Unabhängigkeit vom Handelsgeschäft anpreisen. Zu diesem Ergebnis kommt ein am Montag veröffentlichter Bericht des Centre for the Study of Financial Innovation. Belastend für die Banken seien zudem auch Interessenkonflikte und Compliance-Kosten.

Der Regulierungsschwerpunkt unter MiFID II wird sich auf Vermögensverwalter richten, die sicherstellen müssen, dass sie keine künstlich niedrigen Preise für Research zahlen, als möglichen Anreiz für den Handel mit einer bestimmten Bank, sagte Deavin.

Die Banken arbeiten immer noch an den endgültigen Preisen für Research-Abonnements, wobei die Deutsche Bank und Credit Agricole zu den Kreditinstituten zählen, die die geplanten Gebühren gesenkt haben. Goldman Sachs bietet Jahres-Pakete für lediglich 200 Dollar pro Nutzer für Unternehmensanleihen-Research an, wie aus einer E-Mail hervorgeht, die Bloomberg News in der vergangenen Woche gesehen hat.

(Bloomberg)